«Erdöl-Notstand»: Slowakei schränkt Treibstoff-Verkauf ein

18.03.2026 20:13

Der Krieg in Nahost und Tanktourismus aus den Nachbarländern haben zu
Engpässen an slowakischen Tankstellen geführt. Jetzt gelten für
ausländische Autofahrer höhere Preise.

Bratislava (dpa) - Die slowakische Regierung hat wegen der durch den
Iran-Krieg verschärften Rohstoffkrise eine Beschränkung des
Treibstoffverkaufs beschlossen. Die Verordnung solle vorerst für 30
Tage gelten, könne aber notfalls auch verlängert werden, sagte
Ministerpräsident Robert Fico am Mittwoch nach einer
Kabinettssitzung.

Als Maßnahme gegen Hamsterkäufe und Tanktourismus dürfen pro Fahrzeug

nur mehr Diesel und Benzin bis zu einem Maximalwert von 400 Euro
gekauft werden. Die Mitnahme von mehr als 10 Litern in Kanistern oder
anderen mitgebrachten Gefäßen ist auch innerhalb dieses Limits
verboten. Treibstoffverkäufe ins Ausland werden zusätzlich begrenzt.
Die Regierung sieht darin eine Alternative zu drastischen
Preiserhöhungen für die Konsumenten.

Ausländische Autofahrer zahlen mehr

Für Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen gilt ein höherer Preis
als für Inländer. Er wird als Durchschnitt der jeweils in den
Nachbarländern Österreich, Tschechien und Polen geltenden Preise
ermittelt.

Besonders im Grenzgebiet der Slowakei zu Polen war zuletzt an
mehreren Tankstellen vorübergehend kein Treibstoff mehr zu bekommen.
Die Regierung in Bratislava hatte nämlich nach Ausbruch des
Iran-Krieges mit der Raffinerie Slovnaft eine freiwillige Preisbremse
vereinbart. Deshalb waren die Spritpreise in der Slowakei weniger
stark gestiegen als in den Nachbarländern, was einen Tanktourismus
aus Österreich und vor allem Polen auslöste.

Schon vor einem Monat hat die Slowakei einen «Erdöl-Notstand»
ausgerufen, weil seit Ende Januar kein Erdöl mehr durch die
Druschba-Pipeline über die Ukraine aus Russland fließt. Davon ist die
Ölversorgung der Slowakei ebenso wie Ungarns bisher weitgehend
abhängig. Bratislava und Budapest werfen der Ukraine vor, die
Öllieferungen absichtlich zu behindern und keine unabhängige
Überprüfung der nach ukrainischer Darstellung durch russische
Drohnenangriffe beschädigten Pipeline zu erlauben.