Nach dem US-Zinsentscheid: Augen auf EZB gerichtet von Khang Mischke und Alexander Sturm, dpa

19.03.2026 04:00

Die US-Notenbank Federal Reserve hält wie erwartet an ihrem Leitzins
fest. Wie geht auf der anderen Seite des Atlantiks am Donnerstag
weiter?

Washington (dpa) - Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren
Leitzins aufgrund der Inflationssorgen infolge des Iran-Krieges
unangetastet gelassen. Elf von zwölf Mitgliedern des Zentralbankrates
stimmten dafür, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent
beizubehalten. Lediglich der Berater von US-Präsident Donald Trump,
Stephen Miran, votierte wie bei den vorherigen Sitzungen für eine
Senkung. Auch bei den kommenden Sitzungen dürfte die Fed das
Zinsniveau beibehalten, eine Senkung rückt damit in weite Ferne.

Besonderes Augenmerk galt dabei einer Aussage von Fed-Chef Jerome
Powell: Sollte sich die Inflation nicht wie gewünscht abschwächen,
gebe es keine Gründe für eine Zinssenkung. Nach Bekanntwerden dieser
Aussage hatte der Euro gegenüber dem US-Dollar nachgegeben. Powell
betonte zudem, dass höhere Energiepreise die Inflation kurzfristig in
die Höhe treiben werden. «Es ist jedoch noch zu früh, um das Ausmaß

und die Dauer der potenziellen Auswirkungen auf die Wirtschaft
abzuschätzen», sagte er.

Ende Februar hatten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran
begonnen, seither hat sich der Krieg dramatisch auf die
Weltwirtschaft ausgewirkt: Unter anderem stieg der Ölpreis auf den
höchsten Stand seit Jahren, weil der Schiffsverkehr durch die Straße
von Hormus gestört ist. Die Meerenge südlich des Irans gilt als die
wichtigste Ölhandelsroute der Welt. Zuletzt hatten die Vereinigten
Staaten zudem die für Ölexporte wichtige iranische Insel Charg ins
Visier genommen.

Sorgen bei Europäischer Zentralbank

Damit steigt auch der Druck auf die Europäischen Zentralbank, denn
die Sorgen vor einer neuen Preiswelle sind im Euroraum groß. Noch vor
wenigen Wochen sah sich die Notenbank in einer komfortablen Situation
im Kampf gegen die Inflation, die im Februar bei 1,9 Prozent lag und
damit nah am mittelfristigen EZB-Ziel von zwei Prozent. Nun hat sich
die Lage schlagartig geändert. EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane
warnte bereits vor den Folgen eines längeren Iran-Krieges, der die
Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen könnte.

Die Notenbank will unbedingt verhindern, dass sie auf eine mögliche
neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die
Ukraine 2022 stand die EZB in der Kritik, den damaligen Preisanstieg
lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte
zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben. Mit der Energiekrise
stiegen damals auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland
rasant, die Inflation kletterte 2022 auf 6,9 Prozent und lag 2023
immer noch bei 5,9 Prozent. Das kostete die Verbraucher Kaufkraft und
die EZB Glaubwürdigkeit.

Folgen des Iran-Krieges schlagen in Deutschland durch

Der Iran-Krieg hat mit steigenden Spritpreisen und teurerem Gas
längst Deutschland erreicht. Zöge sich der Krieg über Monate hin,
würde der Ölpreis weiter steigen und mit ihm die Inflation in der
Eurozone «schätzungsweise auf mindestens 3 Prozent», glaubt
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Notenbank zunächst
abwarten und den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins vorerst
bei 2,0 Prozent belassen wird. Einige Experten erwarten aber eine
Zinserhöhung im Sommer. Im Fall der Fälle dürfte die EZB dieses Mal
schneller agieren als 2022, meint Ulrike Kastens, Ökonomin bei der
Deutschen-Bank-Fondstochter DWS: «Zinserhöhungen werden damit
wahrscheinlicher, Zinssenkungen sind vom Tisch.»