Litauen: 15 freigelassene Oppositionelle aus Belarus eingetroffen

20.03.2026 10:35

Der Machtapparat in Belarus hat auf US-Vermittlung erneut
Polithäftlinge freigelassen. Einige davon sind nun in Litauen. Dessen
Präsident mahnt vor Zugeständnissen an die Führung in Minsk.

Vilnius (dpa) - In Litauen sind 15 freigelassene belarussische
politische Gefangene eingetroffen, die von der autoritären Führung in

Minsk auf US-Vermittlung freigelassen worden sind. Ein Sprecher der
belarussischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sprach nach
deren Ankunft am Donnerstagabend in Vilnius vor Journalisten von
einem «sehr wichtigen Tag» und würdigte die Hilfe durch die
litauischen Behörden. Tichanowskaja selbst schrieb auf Telegram, sie
sei «glücklich und erleichtert» und bedanke sich bei den USA für ih
re
Bemühungen um die Freilassung der Gefangenen.

Nach Gesprächen mit einer US-Delegation unter Leitung des
Sondergesandten John Coale hatte der belarussische Machthaber
Alexander Lukaschenko am Donnerstag 250 politische Gefangene
freigelassen. Davon sind nach Angaben von Tichanowskajas Büro 235 in
ihrem Heimatland geblieben, die restlichen 15 sind nach Litauen
gegangen. Dort wurden sie Medienberichten zufolge von zahlreichen
Unterstützern freudig empfangen, als sie aus dem Bus stiegen.

Warnung vor «fehlerhaftem Anreizmechanismus»

Im Gegenzug für die Freilassung hoben die USA mehrere Sanktionen
gegen mehrere belarussische Firmen und Institutionen auf. Washington
hatte zuvor bereits im Dezember 2025 einige Strafmaßnahmen gelockert,
nachdem Minsk 123 politische Gefangene freigelassen hatte. Dagegen
hatte die EU ihre Sanktionen gegen Belarus erst kürzlich um weitere
zwölf Monate verlängert - und sollte nach Ansicht von Litauen auch
nicht dem Beispiel der USA folgen.

«Wir sind uns der angewandten Tricks sehr wohl bewusst. Das Problem
ist, dass wir einen fehlerhaften Anreizmechanismus für Lukaschenko
schaffen», sagte der litauische Präsident Gitanas Nauseda. Daraus
könne ein Teufelskreis in Gang gesetzt und zu einer ständigen Praxis
gemacht werden: «Einige Gefangene freilassen, andere festnehmen, und
dann beim nächsten US-Besuch wieder auf eine Gegenleistung hoffen»,
warnte das Staatsoberhaupt des baltischen EU- und Nato-Landes.

Hort der Opposition 

Litauen ist seit längerem ein Hort der belarussischen Opposition 
und
unterstützt die Demokratiebewegung im Nachbarland. Zehntausende
Belarussen waren nach der als grob gefälscht kritisierten
Präsidentenwahl im August 2020 auf Druck des Machtapparats in das
EU-Land geflüchtet. Zahlreiche andere wurden in Belarus verhaftet -
immer noch zählen Bürgerrechtler trotz der jüngsten Freilassungen bis

zu 1.400 politische Häftlinge.