Spionageverdacht gegen Orbans Regierung: EU reagiert
23.03.2026 13:35
Hat Ungarn jahrelang Informationen von EU-Treffen an Russland
weitergegeben? Den Verdacht gab es seit langem. Nun gibt es
offensichtlich auch Beweise.
Brüssel/Budapest (dpa) - Die mutmaßliche Weitergabe von EU-internen
Informationen durch Ungarn an Russland sorgt in Brüssel für Empörung.
Eine Sprecherin der EU-Kommission von Ursula von der Leyen
bezeichnete es am Montag als «äußerst besorgniserregend», dass der
ungarische Außenminister seinem russischen Amtskollegen vertrauliche
Beratungen auf Ministerebene offengelegt haben könnte.
«Ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedstaaten untereinander
sowie zwischen ihnen und den Institutionen ist für die Arbeit der EU
von grundlegender Bedeutung», sagte sie. «Wir erwarten daher von der
ungarischen Regierung eine Klarstellung.»
Telefonate mit Moskau in Sitzungspausen?
Zuvor hatte die US-Zeitung «Washington Post» unter Berufung auf einen
früheren ungarischen Geheimdienstmitarbeiter und Sicherheitsbeamte
aus anderen europäischen Ländern berichtet, dass die Regierung von
Ministerpräsident Viktor Orban seit Jahren Moskau Informationen zu
sensiblen Diskussionen in der EU übermittle. Außenminister Peter
Szijjarto soll demnach sogar während der Pausen bei den EU-Treffen
regelmäßig mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow
telefoniert haben, um ihn über die Inhalte dieser Gespräche zu
informieren.
Ungarn empört sich über Abhör-Aktion
Die ungarische Regierung versuchte unterdessen den Blick darauf zu
lenken, dass die Geheimdienst-Informationen nur über das Abhören von
Ungarns Außenminister Szijjarto gewonnen werden konnten. «Das Abhören
eines Regierungsmitglieds ist ein schwerer Angriff gegen Ungarn»,
schrieb Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban bei Facebook. Er habe
seinen Justizminister angewiesen, die Informationen im Zusammenhang
mit den Abhör-Aktionen gegen Szijjarto zu überprüfen.
