EU und Australien einigen sich auf Freihandelsabkommen Von Jürgen Bätz und Ansgar Haase, dpa

24.03.2026 01:43

US-Präsident Trump vergrätzt Verbündete mit Zöllen, die EU hingegen

setzt auf freien Handel und die engere Anbindung von Partnern. Auch
mit Australien will sie deutlich mehr zusammenarbeiten.

Canberra (dpa) - Die Europäische Union und Australien haben nach rund
acht Jahren die Verhandlungen über ein umfassendes
Freihandelsabkommen abgeschlossen. Das teilten
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Premierminister
Anthony Albanese in der australischen Hauptstadt Canberra mit. Beide
stellten zudem auch eine neue Sicherheits- und
Verteidigungspartnerschaft vor.

Von der Leyen machte deutlich, dass es für die EU wichtig ist,
internationale Handelsbeziehungen auszubauen und zu diversifizieren,
um Risiken und Abhängigkeiten zu verringern - zumal in einer Zeit, in
der die USA unter Präsident Donald Trump mit ihrer aggressiven
Zollpolitik ein zunehmend schwieriger Partner sind. Das Abkommen mit
Australien folgt auch den politischen Zielen der EU, die Beziehungen
im Indopazifik-Raum auszubauen und die Kooperation mit
gleichgesinnten Demokratien zu stärken.

Mit dem Abkommen sollen Zölle und Handelshemmnisse abgebaut werden,
um die Wirtschaft aller Partner anzukurbeln. Industriebereiche, die
besonders von dem Abkommen profitieren könnten, sind der
EU-Kommission zufolge etwa Maschinenbau, Chemikalien,
Fahrzeugindustrie und Landwirtschaft.

«Ein starkes Signal an den Rest der Welt»

«Wir senden ein starkes Signal an den Rest der Welt, dass in Zeiten
der Turbulenzen Freundschaft und Zusammenarbeit das Wichtigste sind»,
sagte die deutsche Kommissionspräsidentin. Die EU und Australien
seien geografisch weit voneinander entfernt, doch in der Sicht auf
die Welt könne man einander kaum näher sein. Auch mit der neuen
Partnerschaften im Bereich Sicherheit und Verteidigung rücke man noch
enger zusammen. Sie sieht unter anderem stärkere Kooperation gegen
Cyber-Risiken, hybride Bedrohungen sowie ausländische
Informationsmanipulation und Einmischung vor.

Die EU geht davon aus, dass die Exporte aus den Mitgliedstaaten nach
Australien im kommenden Jahrzehnt um bis zu 33 Prozent auf jährlich
17,7 Milliarden Euro wachsen könnten. Zu den Schlüsselsektoren mit
starkem Wachstumspotenzial zählen den Angaben zufolge
Molkereierzeugnisse mit einem erwarteten Plus von bis zu 48 Prozent,
Kraftfahrzeuge mit 52 Prozent sowie Chemikalien mit 20 Prozent.
EU-Investitionen in Australien könnten um mehr als 87 Prozent
zulegen, heißt es.

Die EU ist nach Angaben aus Brüssel Australiens drittgrößter
Handelspartner nach China und Japan. Für die Europäer ist Australie
n
allerdings nur ein relativ kleiner Handelspartner: Im Warenhandel mit
den 27 EU-Staaten rangiert das Land mit knapp 28 Millionen Einwohnern
auf dem 20. Platz.

Deutsche Automobilindustrie begrüßt Deal

Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard
Müller, erklärte vorab, das Handelsabkommen werde für die europäisc
he
Automobilindustrie «erhebliche Chancen eröffnen», vor allem auch fü
r
die exportorientierten deutschen Hersteller, die auf dem
australischen Markt mit starker Konkurrenz aus China und Japan um
Anteile ringen. «In Zeiten von zunehmendem Isolationismus und
Protektionismus sendet das Abkommen ein kraftvolles Signal für fairen
und regelbasierten Handel», erklärte Müller. 

Zuletzt wurden im Jahr nach VDA-Angaben gut 44.000 Autos aus
Deutschland nach Australien exportiert - mehr als nach Portugal, aber
weniger als nach Norwegen.

Fast alle Zölle sollen wegfallen

Das Abkommen sieht die Abschaffung von mehr als 99 Prozent der Zölle
auf EU-Warenausfuhren nach Australien vor, wodurch Unternehmen aller
Größen nach Angaben aus Brüssel jährlich rund eine Milliarde Euro a
n
Zöllen sparen würden.

Zudem sind die Öffnung des australischen Dienstleistungsmarktes bei
Finanzdienstleistungen und in der Telekommunikation, ein besserer
Zugang für EU-Unternehmen zu öffentlichen Aufträgen in Australien und

Maßnahmen für eine bessere Versorgung Europas mit kritischen
Rohstoffen aus Australien Teil des Abkommens.

Auch soll es EU-Fachkräften die Arbeit in Australien erleichtern, und
mit Einreisequoten für Ingenieure und Forschende auf beiden Seiten
die Innovationskraft stärken.

Wann das Abkommen mit Australien unterzeichnet werden kann, ist noch
unklar. Denn der Vertragstext muss noch rechtlich geprüft und in alle
Amtssprachen der EU übersetzt werden. Anschließend muss er von den
Mitgliedstaaten und vom Europäischen Parlament gebilligt werden.

Jahrelange Verhandlungen, Scheitern und Neubeginn

Die EU hatte 2018 beschlossen, Gespräche für ein Freihandelsabkommen
mit Australien zu beginnen. Zwischenzeitlich gab es Verstimmungen,
weil die Australier mit den USA und Großbritannien 2021 hinter dem
Rücken der EU einen neuen Sicherheitspakt für den Indopazifik-Raum
namens Aukus aushandelten - samt einem Deal zu U-Booten mit nuklearem
Antrieb. Insbesondere die Regierung in Paris war verärgert, weil
damit ein Milliardenvertrag für die Lieferung von U-Booten
französischer Bauart platzte.

Bei einem Treffen im japanischen Osaka 2023 scheiterte das
Freihandelsabkommen schließlich wegen Streitigkeiten über
Agrarimporte - dann schliefen die Gespräche ein. 

Richtig Fahrt nahmen die Verhandlungen erst wieder auf, seitdem Trump
wieder US-Präsident ist. Er mischt die einst eher berechenbare Welt
des internationalen Handels mit immer neuen Zollentscheidungen auf.
Mit seinen politischen Alleingängen macht er aber indirekt auch gute
Werbung für den kooperativeren Ansatz der EU - und die mühsame Arbeit
daran, verlässliche Handelsbeziehungen durch Freihandelsabkommen zu
stärken.

Anfang des Jahres unterzeichnete die EU nach jahrzehntelangen
Verhandlungen ein Abkommen mit vier südamerikanischen Staaten des
Mercosur-Bunds. Außerdem verständigte sie sich jüngst mit Indien auf

eine große neue Freihandelszone.

Nun will auch Australien über verstärkte Zusammenarbeit mit der EU
Risiken begrenzen und seine Handelsbeziehungen diversifizieren.
Infolge von Trumps Verhalten auch gegenüber den engsten Verbündeten
gab es im Land zuletzt zunehmend kritische Fragen zur traditionell
felsenfesten geopolitischen Anbindung an die USA. Zudem will
Australien die Abhängigkeit von seinem größten Handelspartner China
reduzieren, der im Indopazifik-Raum immer fordernder auftritt und
seine Machtstellung weiter ausbauen will.