Lagarde: Werden nicht zögern, notfalls zu handeln

25.03.2026 11:00

Steigende Energiepreise könnten die Inflation anheizen. Die
Europäische Zentralbank zeigt sich entschlossen, bei Bedarf mit
Zinserhöhungen zu reagieren.

Frankfurt/Main (dpa) - EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat die
Bereitschaft der Notenbank zum Handeln betont, sollten steigende
Energiepreise infolge des Iran-Kriegs die Inflation stark nach oben
treiben. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sei bereit, die
Geldpolitik «bei Bedarf auf jeder Sitzung anzupassen», sagte Lagarde
bei einer Veranstaltung in Frankfurt. Es gebe «Gründe zur
Wachsamkeit».

So betonte Lagarde: «Wir werden nicht handeln, bevor wir über
ausreichende Informationen über das Ausmaß und die Dauer des Schocks
sowie dessen Ausbreitung verfügen. Aber wir werden uns nicht durch
Zögern lähmen lassen: Unser Bekenntnis zu einer Inflationsrate von 2
Prozent auf mittlere Sicht ist bedingungslos.»

Nächste Zinsentscheidung Ende April

Die nächste Zinsenscheidung des EZB-Rates ist für den 30. April
anberaumt. Bei der jüngsten Sitzung am vergangenen Donnerstag hatte
das oberste Entscheidungsgremium der EZB die Leitzinsen im Euroraum
zum sechsten Mal in Folge unverändert belassen. Der für Sparer und
Banken wichtige Einlagenzins beträgt damit weiterhin 2,0 Prozent.

Ölpreisschock treibt Energiepreise

Öl und Gas haben sich seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich verteuert.
Dies könnte auf Dauer auch andere Preise treiben und dann Forderungen
nach höheren Löhnen nach sich ziehen.

«Kleine, einmalige und kurzlebige Angebotsschocks können ignoriert
werden. Doch je größer und anhaltender die Abweichungen von unserem
Inflationsziel werden, desto stärker wird die Notwendigkeit,
Maßnahmen zu ergreifen», sagte Lagarde.

«Wir stehen also vor einer Situation, in der der aktuelle Schock,
sofern er auf die Energiemärkte beschränkt bleibt, nur begrenzte
Auswirkungen auf die Gesamtinflation haben dürfte. Sollte er sich
jedoch verschärfen oder anhalten, könnte sich die Weitergabe der
Kosten beschleunigen.»

Sollte die Inflation infolge steigender Energiepreise deutlich
anziehen, könnte die EZB mit höheren Zinsen gegensteuern. Höhere
Zinsen würden Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und die
Inflation dämpfen kann. Höhere Inflationsraten schmälern die
Kaufkraft der Menschen.