Billige Online-Ware: EU führt neue Bearbeitungsgebühr ein

27.03.2026 00:10

Unzählige Pakete kommen von Online-Händlern wie Shein, Temu,
AliExpress und Co. in die EU. Die Flut kleiner Päckchen ist teuer -
eine Bearbeitungsgebühr soll helfen, die steigenden Kosten zu decken.

Brüssel (dpa) - Im Kampf gegen die Flut kleiner Pakete aus
Onlinekäufen aus Drittstaaten führt die EU eine neue
Bearbeitungsgebühr ein. Ab 1. November soll die neue Abgabe für jedes
im Internet bestellte und in die EU eingeführte Produkt gelten und
von den nationalen Behörden erhoben werden. Darauf einigten sich
Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Länder in Brüssel, wie
beide mitteilten.

Die Höhe der Gebühr muss noch von der EU-Kommission festgelegt
werden. Mit der Abgabe sollen die steigenden Kosten durch die
wachsende Zahl kleiner Sendungen aus dem Online-Handel gedeckt werden
- etwa die Sichtung und Kontrolle bei der Einfuhr.

Neue Zollgebühren kommen

Die Bearbeitungsgebühr kommt zusätzlich zu geplanten neuen
Zollgebühren. Zwar können Pakete mit einem Wert von bis zu 150 Euro
bislang zollfrei in die Staatengemeinschaft eingeführt werden. Um
unerwünschten Billigimporten etwas entgegenzusetzen, gilt jedoch ab
Juli für jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe in
Höhe von drei Euro. Diese Maßnahme soll vorübergehend gelten, bis
eine neue digitale Plattform zur Abwicklung und Kontrolle an den
Start geht und dann alle in die EU importierten Waren ab dem ersten
Euro zollpflichtig sind. Derzeit ist das für 2028 geplant.

Mit dem Abschaffen der Freigrenze soll etwa sichergestellt werden,
dass alle Händler - unabhängig von ihrem Standort - die gleichen
Wettbewerbsbedingungen haben. Ob günstige Produkte durch die neuen
Abgaben teurer werden, ist noch unklar. Theoretisch könnten auch die
Produzenten oder Importeure die Mehrkosten übernehmen.

Die neuen Regeln dürften etwa Online-Händler wie Shein, Temu,
AliExpress oder auch Amazon betreffen. Der Online-Handel hat in den
vergangenen Jahren zu einem exponentiellen Anstieg bei Lieferungen
kleiner Warenpakete mit geringem Wert in die EU geführt. Laut
EU-Kommission kamen 2024 täglich rund zwölf Millionen Pakete in der
EU an, deutlich mehr als in den beiden Vorjahren.

Shoppingportale bei Verbrauchern beliebt

Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) werden täglich
etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu an deutsche Kunden verschickt.
Der Umsatz der beiden Portale in Deutschland lag 2024 demnach
zwischen 2,7 und 3,3 Milliarden Euro. Laut HDE kauften im vergangenen
Jahr mehr als 14 Millionen Menschen hierzulande bei Temu und Shein
ein.

Temu ist ein Online-Marktplatz, auf dem zahlreiche Unternehmen
verschiedene Waren verkaufen. Das chinesische Unternehmen ist seit
Frühjahr 2023 in Deutschland aktiv und sorgt immer wieder mit
Minipreisen und hohen Rabatten für Aufsehen. Produkte werden häufig
direkt vom Hersteller zum Kunden geliefert. Der in China gegründete
und heute in Singapur ansässige Modekonzern Shein ist sowohl
Hersteller und Händler als auch Marktplatz. Beide Anbieter sind
umstritten. Politiker, Handelsvertreter und Verbraucherschützer
monieren unter anderem Produktqualität, mangelnde Kontrollen und
unfaire Wettbewerbsbedingungen. 

Neben der neuen Bearbeitungsgebühr sollen weitere Maßnahmen im Rahmen
der Reform des EU-Zollrahmens dafür sorgen, den globalen Handel zu
erleichtern, Zölle effizienter zu erheben und die Kontrollen von
nicht konformen, gefährlichen oder unsicheren Waren zu verschärfen,
wie die EU-Länder mitteilten.