Baltenstaaten: Nato muss Luftverteidigung stärken

27.03.2026 09:01

Russland und die Ukraine überziehen sich gegenseitig mit
Drohnenangriffen. Dabei wurden auch Nachbarländer in Mitleidenschaft
gezogen. Estland, Lettland und Litauen fordern daher mehr Nato-Hilfe.

Tallinn/Riga/Vilnius (dpa) - Estland, Lettland und Litauen haben die
Nato nach den jüngsten Drohnenabstürzen im Baltikum zur Stärkung
ihrer Flugabwehr aufgerufen. «Die Nato-Bemühungen zur Stärkung der

Luftverteidigung, einschließlich der Drohnenabwehr, müssen
beschleunigt werden. Die Verbündeten müssen dringend die für eine
effektive Aufklärung und Abwehr erforderlichen Fähigkeiten ausbauen»,

hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Verteidigungsminister der
drei EU- und Nato-Mitgliedsstaaten.

In Estland, Lettland und Litauen war in dieser Woche jeweils eine
fehlgeleitete ukrainische Drohne in den Luftraum eingedrungen und
abgestürzt, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russland angegriffen
hatte. Verletzte oder größere Schäden gab es dabei nicht. Seit Begi
nn
des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine waren wiederholt
Drohnen in den Luftraum der an Russland grenzenden baltischen Staaten
eingedrungen.

Ruf nach mehr Investitionen und Präsenz

«Diese Vorfälle unterstreichen die dringende Notwendigkeit, unsere
Bereitschaft weiter zu verbessern und in unsere
Verteidigungsfähigkeiten zu investieren», betonten Hanno Pevkur
(Estland), Andris Spruds (Lettland) und Robertas Kaunas (Litauen).
Dazu müssten auch die EU-Verteidigungsausgaben langfristig deutlich
erhöht und zweckgebunden bereitgestellt werden.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russi
sche
Invasion. In dem wechselseitigen Drohnenkrieg sind die mit
elektronischen Mitteln abgewehrten Fluggeräte auch eine Gefahr für
die Nachbarländer. «Die derzeitige Präsenz von Nato-Flugzeugen und
Luftverteidigungssystemen in den baltischen Staaten muss
aufrechterhalten und weiter ausgebaut werden, um allen Bedrohungen
aus der Luft, einschließlich unbemannter Luftfahrzeuge, zu begegnen»,
schrieben die Minister weiter.

Aktive Nato-Einsätze in der Region

Estland, Lettland und Litauen besitzen keine eigenen Kampfjets. Die
Nato sichert deshalb bereits seit 2004 den baltischen Luftraum. Dazu
verlegen die Verbündeten im regelmäßigen Wechsel Kampfflugzeuge samt

Personal in die Ostseestaaten im Nordosten Europas. 

Unter dem Eindruck von Luftraumverletzungen durch russische Kampfjets
und Kamikaze-Drohnen hatte die Nato im September 2025 den Einsatz
«Eastern Sentry» (deutsch etwa: Wächter des Ostens) begonnen, mit dem

vor allem zusätzliche Überwachungs- und Flugabwehrkapazitäten
mobilisiert werden sollen.