Ex-EU-Kommissar wehrt sich gegen Prozess zu Lumumba-Mord

27.03.2026 17:03

Étienne Davignon soll wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Kongo
vor Gericht - und legt Einspruch ein. Es geht um die Rolle des
Belgiers bei der Ermordung des ersten Premierministers Lumumba.

Brüssel (dpa) - Der ehemalige belgische Spitzenpolitiker Étienne
Davignon hat Einspruch gegen einen Strafprozess wegen seiner
mutmaßlichen Beteiligung an Kriegsverbrechen im Kongo eingelegt. Das
teilte Johan Verbist, der Anwalt Davignons, der belgischen
Nachrichtenagentur Belga mit. Davignon wird vorgeworfen, 1961 als
junger Diplomat eine Rolle bei der Ermordung des ersten
Premierministers des Kongos, Patrice Lumumba, gespielt zu haben. 

Mitte März hatte die Ratskammer in Brüssel entschieden, dass sich
Davignon einem Strafprozess stellen muss. Dem ging ein Antrag der
Staatsanwaltschaft voraus. Unter anderem werden dem heute 93-Jährigen
bestimmte Formen der Beteiligung an Kriegsverbrechen und
unrechtmäßige Freiheitsberaubung vorgeworfen. Die Verteidigung des
ehemaligen EU-Kommissars (1977 bis 1985) teilte Belga mit, dass sie
ihre Argumente in der Berufung gegen die Entscheidung der Ratskammer
noch nicht ausgearbeitet habe.

Sohn von Lumumba reichte Klage ein

Belgien war unter Leopold II. Kolonialmacht im Kongo und regierte mit
brutalsten Methoden. Nach der Unabhängigkeit 1960 war Lumumba der
erste Premierminister. Bei seiner Ermordung sollen Belgien und die
USA ihre Finger im Spiel gehabt haben. 

Ein Sohn Lumumbas hatte vor etwa 15 Jahren eine Klage gegen rund ein
Dutzend Belgier eingereicht, die seiner Ansicht nach mit dem Tod in
Verbindung gestanden haben könnten. Davignon ist der einzige
Angeklagte, der noch lebt.