Vier Jahre nach Butscha-Massaker: EU-Außenminister in Kiew

31.03.2026 07:40

Die Verhandlungen über einen Waffenstillstand in der Ukraine treten
auf der Stelle - auch wegen des Iran-Kriegs. Prominente EU-Vertreter
wollen Signale in mehrere Richtungen senden.

Kiew (dpa) - Außenminister Johann Wadephul und EU-Chefdiplomatin Kaja
Kallas sind gemeinsam mit Kollegen zu einem Solidaritätsbesuch in der
Ukraine eingetroffen. Die Spitzenpolitiker wollen am Vormittag bei
einer Gedenkfeier an die Opfer des russischen Massakers in der
Kleinstadt Butscha nordwestlich von Kiew erinnern. Später ist dann
ein Ministertreffen in der Hauptstadt geplant. 

Bei den Beratungen soll es um die Frage gehen, wie sichergestellt
werden kann, dass die russischen Kriegsverbrechen auch nach einem
möglichen Waffenstillstand nicht straflos bleiben. Zudem dürfte die
aktuelle Blockade von milliardenschweren EU-Finanzhilfen für die
Ukraine durch Ungarn Thema sein.

Wadephul: Nachlassen ist keine Option

Zum Eintreffen in Kiew warnten Wadephul und Kallas vor einem
Herunterfahren der Unterstützung für die Ukraine. «Wir müssen klar

machen, dass wir den längeren Atem haben, dass wir geschlossen
stehen, dass Nachlassen keine Option ist», sagte der CDU-Politiker.
Dies müsse die Botschaft des Treffens sein.

Dauerhafter Frieden für die Ukraine und Europa werde nur aus
ukrainischer Stärke und der Einsicht Russlands entstehen, militärisch
nichts mehr erreichen zu können, sagte Wadephul. «Wie weit dieser Weg
noch ist, liegt auch in den Händen der europäischen Unterstützer der

Ukraine.» Ziel sei ein gerechter, belastbarer und dauerhafter Frieden
für eine freie und demokratische Ukraine.

Kallas: Es geht um Europas Sicherheit

Kallas sagte, wie der vor mehr als vier Jahren begonnene russische
Angriffskrieg gegen die Ukraine ende, sei für die EU so wichtig wie
nichts anderes, weil es um Europas Sicherheit gehe. Man müsse das
Thema trotz des Iran-Krieges und dessen Folgen auf der Agenda halten
und jede mögliche Unterstützung leisten. «Wir müssen uns also damit

befassen, wir können das nicht einfach beiseiteschieben», sagte
Kallas.

Hunderte tote Zivilisten in Butscha

Heute jährt sich die Befreiung Butschas von russischen
Besatzungstruppen am 31. März 2022 zum vierten Mal. Ukrainischen
Angaben zufolge wurden in der Kleinstadt mehr als 400 tote Zivilisten
registriert. In der Region insgesamt waren es mehr als 1.300 -
darunter mehr als 700, die erschossen wurden. Russische Offizielle
weisen den Vorwurf eines Kriegsverbrechens zurück und sprechen trotz
klarer Gegenbeweise von einer Inszenierung.

Wadephul sagte, Butscha stehe als Symbol für unzählige weitere
russische Kriegsverbrechen. Die Stadt stehe aber auch für die Kraft
der ukrainischen Armee zur Rückeroberung großer Landesteile sowie die
Widerstandsfähigkeit und den Mut der Ukrainerinnen und Ukrainer. Das
EU-Treffen sei auch ein klares Signal an Russland: Die
Verantwortlichen für den Krieg und die Verbrechen dürften nicht
ungestraft davonkommen.