EZB unter Druck: Irankrieg treibt Inflation in Eurozone hoch
31.03.2026 14:02
Im Euroraum steigen mit dem Ölpreisschock die Preise. Damit wächst
der Druck auf die Europäische Zentralbank. Was Experten erwarten.
Luxemburg (dpa) - Mit dem Ölpreisschub im Zuge des Irankriegs hat die
Inflation in der Eurozone deutlich angezogen. Im Jahresvergleich
legten die Verbraucherpreise im März um 2,5 Prozent zu, wie das
Statistikamt Eurostat in Luxemburg nach einer ersten Schätzung
mitteilte. Im Februar hatte die Inflationsrate noch bei 1,9 Prozent
gelegen.
Damit ist das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die
am 30. April wieder über die Leitzinsen entscheidet, auf kurze Sicht
deutlich überschritten: Sie strebt mittelfristig eine Inflationsrate
von zwei Prozent an. Volkswirte hatten allerdings im Schnitt einen
noch etwas stärkeren Anstieg auf 2,6 Prozent erwartet. Im Vergleich
zum Vormonat Februar stiegen die Preise um 1,2 Prozent. Hier war ein
Anstieg um 1,3 Prozent erwartet worden.
Inflation in der Eurozone bald über drei Prozent?
«Die massiv gestiegenen Energiepreise haben die Inflation im März
nach oben katapultiert», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
«Spätestens im Mai dürfte sie über 3 Prozent liegen, sofern der Kri
eg
nicht schnell endet.» Dann würden die hohen Energiepreise immer mehr
andere Güter verteuern und auch die Kerninflation - ohne die
schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie - steigen
lassen. «Der steigende Inflationsdruck spricht dafür, dass die EZB
ihre Leitzinsen im April oder spätestens im Juni erhöht», sagte
Krämer.
Ulrike Kastens, Ökonomin beim Deutsche-Bank-Fondsanbieter DWS,
erwartet dagegen keine geldpolitischen Schnellschüsse der EZB.
«Abwarten ist für uns derzeit immer noch die beste Option.»
Der Irankrieg hat die Ölpreise nach oben getrieben. Das verteuert
Sprit für Verbraucher und sorgt bei Firmen für höhere
Transportkosten. Ökonomen fürchten, dass der Ölpreisschock
zeitverzögert die Wirtschaft in der Breite erfasst. Bereits im März
kletterte die Inflation in Deutschland auf 2,7 Prozent - der höchste
Stand seit Anfang 2024.
Die EZB hatte den Leitzins zuletzt unverändert bei 2,0 Prozent
belassen. Präsidentin Christine Lagarde machte deutlich, dass die
Notenbank die Lage genau beobachte und notfalls bereit wäre zu
handeln.
