Wahlbeobachter in Ungarn: Wirbel um russische Mitarbeiterin

01.04.2026 13:01

Sie dolmetschte unter anderem für Putin. Nun ist die Russin in die
internationale Überwachung der Wahl in Ungarn involviert.
EU-Parlamentariern protestieren. Was sagt ihr heutiger Arbeitgeber?

Wien (dpa) - Die Tätigkeit einer ehemaligen russischen
Regierungs-Dolmetscherin für internationale Wahlbeobachter in Ungarn
sorgt für Protest in Budapest und Brüssel. Die Frau hatte in der
Vergangenheit unter anderem für Kremlchef Wladimir Putin bei Treffen
mit US-Präsidenten übersetzt. Die Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE), für die sie heute arbeitet, stellt
sich jedoch hinter ihre Mitarbeiterin.

In Ungarn wird am 12. April ein neues Parlament gewählt. Laut
Umfragen könnte die Partei des Moskau-nahen Ministerpräsidenten
Viktor Orban verlieren.

Die Parlamentarische Versammlung der OSZE entsendet mehr als 100
Gesetzgeber aus verschiedenen Ländern nach Ungarn, um den Urnengang
zu überwachen. Die ehemalige Regierungs-Dolmetscherin hilft laut
Angaben der OSZE bei der Vorbereitung und Unterstützung solcher
Missionen, die von Parlamentariern geleitet werden.

EU-Parlamentarier fordern Abzug der Russin

Diese Woche forderten 56 EU-Parlamentarier, die Russin von dem
Ungarn-Einsatz abzuziehen. Sie wiesen auf die berufliche
Vergangenheit der Frau und ihre angeblich weiterhin bestehenden
Kontakte zum russischen Staat hin. Das Schreiben zitierte auch
Medienberichte, wonach Moskau versuchen könnte, die Wahlen zu
beeinflussen. In diesem Kontext sei die wichtige organisatorische
Rolle der Russin «zutiefst beunruhigend», hieß es.

Der Brief wurde von Vertretern verschiedener Parteien und Länder
unterzeichnet - darunter die deutschen Grünen Boris Mijatovic, Julian
Joswig und Ayse Asar, die auch Teil der OSZE-Wahlmission in Ungarn
sind.

In Ungarn haben zivilgesellschaftliche Organisationen wie Amnesty
International und Transparency International angekündigt, mit den
parlamentarischen OSZE-Beobachtern wegen der Russin nur mehr
eingeschränkt zu kooperieren. 

OSZE: Keine Grundlage für Bedenken

Das Sekretariat der Parlamentarischen Versammlung der OSZE verwies
auf eine eigene Untersuchung vor einigen Jahren. Demnach gebe es
keine Grundlage für Bedenken gegenüber der Russin. «Die Mitarbeiterin

hat nie als persönliche Dolmetscherin von Präsident Putin
gearbeitet», hieß in einer Stellungnahme. Sie habe als Angestellte
des Außenministeriums für Treffen mit ausländischen Delegationen
übersetzt, unter anderem für Putin, hieß es aus der OSZE.

OSZE-Mitarbeiter seien zu Verschwiegenheit und Objektivität
verpflichtet, betonte die Organisation. «Wir ändern unsere
Personalentscheidungen nicht aufgrund von Druck von außen oder von
Medienkampagnen», hieß es.