EU-Kommission will größeren Puffer im Emissionshandel
01.04.2026 13:20
Europas Wirtschaft muss sich verändern, um die Klimaziele zu
erreichen. Das «EU-Emissionshandelssystem» soll einen Anreiz
schaffen. Aus der Industrie kommt Kritik, die Kommission macht
Vorschläge.
Brüssel (dpa) - Vor dem Hintergrund gestiegener Energiepreise will
die Europäische Kommission mit Anpassungen im europäischen
Treibhausgashandelssystem den CO2-Preis stabilisieren. Die Kommission
will damit das grundsätzliche System beibehalten, aber dafür sorgen,
dass besser auf künftige Marktentwicklungen reagiert werden kann,
«einschließlich möglicher Versorgungsengpässe in den kommenden
Jahrzehnten».
Teile der Industrie kritisieren das bisherige System unter anderem
wegen steigender Produktionskosten, die den Wettbewerb mit Firmen
außerhalb der EU erschwerten.
Das sogenannte EU-Emissionshandelssystem (ETS) wurde 2005
eingerichtet, um Treibhausgase zu verringern. Bestimmte Unternehmen
müssen Zertifikate für den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie
Kohlendioxid (CO2) vorweisen und können nach Bedarf auch damit
handeln. Das soll besonders in energieintensiven Sektoren als Anreiz
dienen, um Treibhausgase einzusparen. Allerdings waren in den
vergangenen Jahren mehr Emissionszertifikate verfügbar geworden als
von Unternehmen genutzt wurden.
Reserve soll Markt stabilisieren
Sie werden in der sogenannten Marktstabilitätsreserve (MSR) gehalten,
um das Angebot auf dem Markt zu verringern, wenn viele im Umlauf
sind. Gibt es eine Verknappung auf dem Markt, werden
Emissionszertifikate auf den Markt gebracht. Das kann die Preise
senken und so Unternehmen, die Emissionszertifikate brauchen,
entlasten.
Bisher werden in der Reserve maximal 400 Millionen Zertifikate
gehalten, alle darüber hinausgehenden werden für ungültig erklärt.
Die Kommission schlägt nun vor, die Obergrenze aufzuheben. So könnten
mehr Zertifikate als Puffer gehalten werden, um bei Bedarf den Markt
zu stabilisieren.
EU will klimaneutral werden
Bis 2030 müssen die Treibhausgas-Emissionen in der EU um 55 Prozent
gegenüber 1990 sinken. Bis 2050 will die EU klimaneutral sein, also
nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als wieder gebunden werden können.
Den ETS sieht die Kommission dabei weiter als wichtiges Instrument.
Den Vorschlägen müssen auch das Europäische Parlament und die 27
EU-Mitgliedstaaten zustimmen. Für den Sommer ist eine umfassende
Revision des Handelssystems vorgesehen, die Kommission will im Juli
ihre Vorschläge vorstellen.
Deutschland für leichte Anpassungen
Um das System hatte es zuletzt auch angesichts gestiegener
Energiepreise einige Diskussionen geben. Deutschland hatte sich
zuletzt für leichte Anpassungen ausgesprochen - etwa bei der
Festlegung, wie viele kostenlose Zertifikate Industrieanlagen
bekommen können. Dazu will die Kommission noch in diesem Monat
Vorschläge machen.
