Günstiges Getreide - EU-Kommissar setzt auf Biokraftstoff
09.04.2026 04:00
«Wir haben aktuell sehr, sehr niedrige Preise für Getreide», sagt
EU-Agrarkommissar Hansen. Ein Problem für Landwirte - gegen das auch
Lockerungen bei der Herstellung von Biokraftstoff helfen sollen.
Brüssel (dpa) - EU-Agrarkommissar Christophe Hansen spricht sich
angesichts niedriger Getreide- und hoher Spritpreise für mehr
Biokraftstoff aus. «Wir haben aktuell sehr, sehr niedrige Preise für
Getreide», sagte der Politiker der Deutschen Presse-Agentur in
Brüssel. Nach der global sehr starken Ernte im Herbst hätten manche
Landwirte nur noch 160 oder 170 Euro pro Tonne Getreide als
Verkaufspreis erzielt. «Da legt jeder Landwirt Geld drauf, wenn er
produziert, das muss man ganz klar sagen.»
Bei Preisen von weit unter 200 Euro pro Tonne sollten die Vorgaben
für die Produktion von Biokraftstoffen gelockert werden, forderte
Hansen. In der EU ist gedeckelt, welchen Anteil die «Biokraftstoffe
aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen» am Energieverbrauch des
Verkehrssektors der einzelnen EU-Mitgliedstaaten haben dürfen. So
gibt es weniger Ausbauanreize für getreidebasierte Biokraftstoffe -
anders als etwa für Kraftstoffe, die aus Bioabfall gewonnen werden.
Hintergrund ist unter anderem die Kontroverse, ob Getreide für die
Energiegewinnung angebaut werden sollte oder als Nahrungsmittel
(«Tank oder Teller»).
Zudem sollte aus Hansens Sicht mehr Biokraftstoff beigemischt werden
dürfen. Das Ziel beider Maßnahmen: den Getreidepreis auf einem Niveau
halten, das Landwirten das Überleben sichert - und gleichzeitig eine
Kontrolle der Spritpreise beziehungsweise Absicherung der Energie.
Besuch in Ostdeutschland
Am Donnerstag und Freitag besucht Hansen unter anderem die
Landwirtschaftsmesse Agra in Leipzig und die
Stickstoffwerke Piesteritz. Es sei wichtig, das Netz an
Düngemittelproduzenten in Europa zu erhalten, sagte der Luxemburger
vor dem Besuch. Denn trotz der rund 150 Produktionsstätten in der EU
seien die Preise für Düngemittel in den vergangenen Jahren «extrem
hochgeschnellt», auch schon vor der Krise im Nahen Osten.
Ihn beunruhige, dass Landwirte sich in dieser Situation entscheiden
könnten, ihre Produktion zu drosseln, um Kosten für Düngemittel zu
sparen. Würden dies viele Landwirte tun, «könnte es Probleme in der
Lebensmittelversorgung» geben. Mit kurzfristig steigenden
Lebensmittelpreisen wegen der Düngemittelkosten rechnet Hansen
weniger - denn in der Regel dauere es einige Monate, bis teurere
Düngemittel bei Verbrauchern ankommen. Die EU-Kommission arbeitet
derzeit an einem mittelfristigen Düngemittelplan, der in den nächsten
Monaten erwartet wird.
