100 Tage Euro in Bulgarien: EZB sieht keine Preisspirale

09.04.2026 11:26

Bulgarien ist seit Jahresbeginn das 21. Mitglied der Eurozone.
Befürworter sehen klare Vorteile für das Balkanland. Großes
Streitthema sind die Preise. Wurde der Euro in Bulgarien zum «Teuro»?

Sofia (dpa) - Der von vielen Skeptikern erwartete rasante
Preisanstieg nach der Euro-Einführung in Bulgarien ist nach ersten
Erkenntnissen der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgeblieben. Die
Auswirkung auf die Verbraucherpreise in den ersten 100 Tagen mit der
neuen Währung seien begrenzt, betont die Zentralbank.
Preissteigerungen gab es demnach vor allem bei Dienstleistungen. In
diesem Bereich gebe es oft weniger Wettbewerbsdruck. Einige Preise
seien noch vor der Übernahme des Euro angepasst worden. 

In dem südöstlichen EU-Land wird seit Anfang 2026 mit Euro statt mit
der alten Landeswährung Lew bezahlt. Der feste Umrechnungskurs liegt
bei 1,95583 Lew pro Euro - exakt derselbe, zu dem einst die D-Mark in
den Euro überging.

Teuerung nur kurzlebig

Die Zentralbank sieht den Preisauftrieb in Bulgarien auch nach der
Währungsumstellung unter Kontrolle. Die jährliche Inflationsrate sank
demnach von 3,5 Prozent im Dezember 2025 auf 2,3 Prozent im Januar
und 2,1 Prozent im Februar. Allerding gab es im Monatsvergleich einen
Anstieg. 

Die Preise stiegen laut EZB im Januar 2026 im Vergleich zum Dezember
2025, also vor der Einführung des Euro, um 0,6 Prozent. Diese Zahl
sei ungewöhnlich hoch für einen Januar. Allerdings sei der
Monatsvergleich generell stärker von saisonalen Mustern geprägt. Dies
könnten Preisanpassungen nach den Feiertagen oder saisonale
Schwankungen bei Lebensmittelpreisen sein. 

Im Februar habe die Inflation im Monatsvergleich wieder deutlich
niedriger gelegen. Das bedeute, dass die Preissteigerungen im Januar
überwiegend kurzlebig waren, heißt es weiter in der Studie. Im
Dienstleistungssektor verzeichneten demnach Restaurants, Unterkünfte
sowie die Bereiche Information und Kommunikation
überdurchschnittliche Preissteigerungen. 

Ebenso wie in anderen Ländern, die den Euro übernommen haben, sei die
von manchen Verbrauchern gefühlte Inflation höher als die
tatsächliche Teuerung, betonte die Zentralbank. Dies sei auf eine
stärkere Wahrnehmung der Preise oft gekaufter Waren oder konsumierter
Dienstleistungen zurückzuführen.

Befürworter des Euro werden mehr

Die EZB erfasste für ihre Studie auch Daten von Einzelhandelsketten
in Bulgarien. Diese zeigten, dass die Preisänderungen während des
Eurowechsels minimal waren und oft nur wenige Euro-Cent betrugen.
Daraus lasse sich ableiten, dass sich Einzelhändler an die festen
Umrechnungsraten und die gesetzlichen Rundungsregeln gehalten haben. 

Allerdings seien bereits vor der Euro-Einführung Preiserhöhungen
vorgenommen wurden. Sobald klar wurde, dass Bulgarien den Euro
übernehmen würde, hätten einige Einzelhändler begonnen, ihre Preise

anzupassen.

Die EZB betonte, nach seiner Einführung sei die Unterstützung für den

Euro Umfragen zufolge im Februar auf 54 Prozent gestiegen und damit
auf den höchsten Wert in Bulgarien seit Jahren. Dies dürfte, so die
Studie, die begrenzte Auswirkung der Euro-Einführung auf die Preise
widerspiegeln. Frühere Bedenken hätten wahrscheinlich nachgelassen.