Ärger über Weidepflicht - EU sieht Versäumnisse im Land

09.04.2026 12:04

Die EU-Regeln stehen schon lange fest: Kühe brauchen Zugang zur
Weide, damit ihre Milch als «bio» gilt. Nun werden sie auch in Bayern
strenger durchgesetzt. Bauern bangen, die EU pocht auf Umsetzung.

Brüssel (dpa) - In der Debatte um die Bio-Weidepflicht sieht
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen vor allem Versäumnisse in
Deutschland. Die EU-Ökoverordnung schreibe schon seit 1999 vor, dass
Biotiere einen Zugang zur Weide haben, sagt Hansen der Deutschen
Presse-Agentur in Brüssel. Wenn Betriebe dennoch bisher so
wirtschaften konnten und sich nun 27 Jahre später noch nicht an die
Vorgaben angepasst haben, sei das ein Problem. 

Deutschland und Bayern haben die Regeln lange lockerer ausgelegt. An
einer strengeren Anwendung gibt es hierzulande Kritik. Vor allem in
Süddeutschland fehle der verlangte Weidezugang, heißt es bei der
Interessengemeinschaft «Kein Zwang zur Weide». Die Flächen vieler
Betriebe in Bayern oder Baden-Württemberg seien zu weit weg von der
Hofstelle, die Ställe lägen oft direkt in Ortschaften. Nach Angaben
des Deutschen Bauernverbandes haben 2025 etwa 8 Prozent der
Ökobetriebe wegen der EU-Vorgabe die Produktion von Biomilch
eingestellt. 

Aus anderen EU-Staaten höre er keine Kritik an der Regelung, sagte
Hansen, der nach seinem Amtsantritt alle 27 Mitgliedstaaten besucht
hat, um dort jeweils die landwirtschaftlichen Strukturen
kennenzulernen. Entsprechend brauche es nationale und regionale
Anstrengungen. Die EU-Kommission könne aber dabei unterstützen, die
bestmöglichen Lösungen zu finden. 

Idee: Land tauschen

Als Ideen nennt der Luxemburger etwa, bei Ländertausch zu vermitteln,
«damit der Landwirt, der nichts hinterm Hof hat, vielleicht eine
Parzelle tauschen kann mit denen, die es können». Jungvieh könnte
auch für den Sommer auf die andere Seite einer Straße transportiert
werden. In den nächsten Monaten bis zwei Jahren seien Anstrengungen
nötig, um den betroffenen Landwirten zu helfen. Ansätze für Lösunge
n
könnte auch der Austausch mit Österreich bieten, so Hansen, wo sich
die Höfe bereits an die Regeln angepasst hätten. 

Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums hatte vor kurzem
mitgeteilt, es bedürfe «praxisnaher und fairer Lösungen, damit
Ökoerzeugung in ganz Deutschland möglich bleibt - für kleine wie
große Höfe, im Dorfkern wie im Außenbereich». Man stehe mit der
Europäischen Kommission im intensiven Austausch. «Es kann und darf
nicht sein, dass Höfe, die seit Jahren verantwortungsvoll und
ökologisch wirtschaften und sich um Lösungen für ihre Tiere bemühen
,
am Ende gezwungen sind, aus der Ökoerzeugung auszusteigen.» 

Viele Betriebe hätten sich mittlerweile angepasst, sagte Hansen. «Es
ist natürlich einfacher, nichts zu machen. Aber wenn man jetzt den
Landwirten hilft, diesen letzten Sprung zu machen, bin ich
zuversichtlich, dass bald in den meisten Fällen auch eine Lösung
gefunden werden kann.»