Digitales EU-Grenzsystem startet überall - Passstempel passé

10.04.2026 03:30

Mehr Daten, weniger Stempel: Das digitale Verfahren für
Nicht-EU-Bürger soll nun an allen Grenzübergängen des Schengen-Raums

funktionieren. Zu Deutschland hat die EU-Kommission bereits ein
Urteil.

Brüssel (dpa) - Das digitale Ein- und Ausreisesystem für Menschen
ohne EU-Pass soll ab heute an allen Grenzübergängen des europäischen

Schengen-Raums funktionieren. Laut EU-Kommission erfasst das
Verfahren mehr Daten als bisher und bekämpft dadurch Kriminalität
sowie Terrorismus. Mehrere deutsche Flughäfen haben das System schon
vor einigen Monaten eingeführt. 

Das sogenannte Entry-Exit-System (EES) an den EU-Außengrenzen
speichert etwa biometrische Daten, also Fingerabdrücke und
Gesichtsbilder. Der Stempel im Pass entfällt dagegen. Die strengeren
Vorschriften für Reisende ohne die Staatsangehörigkeit eines
Mitgliedslands gelten künftig an allen Grenzübergängen von 25
EU-Staaten sowie von Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz.
In Deutschland sind besonders Flughäfen sowie Seeaußengrenzen von der
Umstellung betroffen. 

Zwischenbilanz: Deutschland laut EU-Kommission «Musterschüler» 

Die Mitgliedsländer haben das System seit Oktober 2025 schrittweise
eingeführt. In manchen Staaten scheint es aber noch immer technische
Probleme zu geben, wie die EU-Kommission einräumte. Deutschland sei
dagegen ein «Musterschüler». Besonders an den deutschen Flughäfen
sind nach Angaben der EU-Kommission durch das System bisher über
2.000 Reisen verweigert worden. 

Im gesamten Schengen-Raum wurden demnach etwa 27.000 Reisen verwehrt,
mehr als 700 Personen identifizierte das Verfahren seit Oktober
demnach als Sicherheitsrisiko. EU-Innenkommissar Magnus Brunner
teilte mit, die digitalen Grenzkontrollen seien ein wichtiger
Meilenstein für den europäischen Außengrenzschutz. 

Kritik von Fluglinien und Proteste von Lkw-Fahrern 

Insbesondere Fluglinien und Flughäfen warnen zum Teil vor längeren
Wartezeiten und Störungen im Ablauf durch das neue Verfahren. Zuletzt
forderte Ryanair-Chef Michael O'Leary in der Londoner Zeitung «The
Times», das neue Systems erst nach der Sommersaison einzuführen. 

Anfang des Jahres protestierten Lastwagenfahrer aus den
südosteuropäischen Ländern mit Grenzblockaden gegen die strenger
durchgesetzten EU-Aufenthaltsregeln. Sie seien mit ihrem Beruf
inkompatibel.