General: Balkan hat große Bedeutung für Sicherheit in Europa Von Carsten Hoffmann, dpa
10.04.2026 05:17
Separatistische Tendenzen, internationale Einflussnahme und
bevorstehende Wahlen: Was den westlichen Balkan derzeit fragil macht,
beobachtet der deutsche Heereschef in Bosnien-Herzegowina.
Sarajevo (dpa) - Heeresinspekteur Christian Freuding hat bei einem
Bosnien-Besuch die Bedeutung der weiteren Stabilität auf dem Balkan
für die Sicherheit in Europa bekräftigt. Der Generalleutnant warnte
davor, dass Spannungen in der Region instrumentalisiert werden
könnten. «Und wir sehen ja, dass es auch andere Akteure gibt, die
versuchen, Einfluss in dieser Region zu nehmen», sagte Freuding der
Deutschen Presse-Agentur.
Mit Sorge wird von Experten etwa beobachtet, wie vor allem Russland
aber auch China ihren Einfluss im serbischen Landesteil ausbauen.
Dazu gehören Kooperationen beim Abbau von Bodenschätzen und
Energiegeschäften, im Falle Chinas auch die Lieferung von
Überwachungstechnik.
Zweigeteiltes Land
Die Bundeswehr stellt in Bosnien-Herzegowina für die dortige
EU-Mission Eufor Althea 36 Männer und Frauen. Die Truppe überwacht
die Einhaltung des Dayton-Friedensabkommens, mit dem im Jahr 1995 der
Bosnien-Krieg beendet wurde. Im Land verteilt unterhält sie
Verbindungsbüros, die durch Gespräche mit der Bevölkerung und den
Behörden auch als Frühwarnsystem für den Fall neuer Spannungen dienen
sollen.
Seit dem Ende des Bosnien-Kriegs (1992-1995) vor mehr als 30 Jahren
besteht Bosnien-Herzegowina aus zwei Landesteilen: aus der Föderation
Bosnien-Herzegowina (FBIH), in der vor allem Kroaten und Bosniaken
(Muslime) leben, sowie aus der vorwiegend von ethnischen Serben
bewohnten Republika Srpska (RS). Die beiden Verwaltungseinheiten sind
weitgehend eigenständig in Bereichen, die nicht die Außen-,
Währungs-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik betreffen.
Was macht der Trump-Sohn in Bosnien?
Für Schlagzeilen sorgte unmittelbar vor dem Besuch Freudings am
Donnerstag und Freitag auch eine Reise von Donald Trump Junior, dem
ältesten Sohn des US-Präsidenten, zu den bosnischen Serben. Deren
Führung strebt nach einer Abspaltung vom Gesamtstaat. Der langjährige
Präsident der RS, Milorad Dodik, war wegen separatistischer
Aktivitäten nach einem Gerichtsurteil abgesetzt worden.
In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo wird mit Sorge beobachtet, wie
Dodik seine Beziehungen zu den USA und dem Umfeld von US-Präsident
Trump verbessert hat. Washington hob Sanktionen gegen Dodik und sein
Umfeld auf. Trumps Sohn stänkerte laut Medienberichten in Bosnien
gegen die EU. Die US-Botschaft bezeichnete seine Reise aber als
Privatbesuch.
Berichtet wird, dass zum Dodik-Kurs auch gehört, mit Hilfe einer
Lobbyfirma in den USA für eine wohlwollende Haltung gegenüber
bosnisch-serbischem Separatismus und für eine Auflösung
gesamtstaatlicher Gerichte zu werben. Ziel sei es auch, den Hohen
Repräsentanten der Internationalen Gemeinschaft in dem Land, den
Deutschen Christian Schmidt (CSU), abzulösen.
Bosnien gehört zur «verlängerten Ostflanke»
Im Oktober stehen in Bosnien-Herzegowina reguläre Parlaments- und
Präsidentenwahlen an. Das Land ist vor dem Hintergrund der Kriege in
der Ukraine sowie im Nahen Osten weitgehend von der internationalen
politischen Bildfläche verschwunden. Es gilt den Militärs aber als
«verlängerte Ostflanke», also als Gebiet, in dem es indirekt zu
Spannungen mit Russland kommen könnte.
Freiding besuchte ein sogenanntes LOT-Haus der Bundeswehr in
Vlasenica im Osten der bosnischen Serbenrepublik. Diese Häuser dienen
den «Laison and Observation Teams» der EU-Truppe Eufor Althea als
Unterkunft und regionale Zentrale. Freuding betonte, es sei wichtig,
in der Krisenregion auf dem westlichen Balkan weiterhin ein gutes
Lagebild zu haben, «um im Falle des Falles auch unsere Kräfte
anpassen oder verstärken zu können».
