Ungarn: Orban gesteht Wahlniederlage ein
12.04.2026 21:51
Der Regierungschef verliert laut Teilergebnissen deutlich gegen
Herausforderer Peter Magyar. Orban hat seinem Kontrahenten schon
gratuliert - macht er nun in der Opposition weiter?
Budapest (dpa) - Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat
seine Niederlage bei der Parlamentswahl in Ungarn eingestanden. «Was
auch immer kommt, wir werden auch in der Opposition der Heimat
dienen», sagte er vor Anhängern in Budapest. «Die Aufgabe ist klar:
Nachdem die Last der Regierungsarbeit nicht mehr auf unseren
Schultern liegt, müssen wir unsere eigene Gemeinschaft stärken»,
fügte er mit Blick auf seine Anhängerschaft hinzu.
Seine rechtspopulistische Fidesz-Partei kam nach Auszählung von rund
67 Prozent der Wahllokale auf 38,08 Prozent der Stimmen, wie die
Wahlkommission in Budapest mitteilte. Sein bürgerlicher
Herausforderer Peter Magyar sieht nun einem Wahlsieg entgegen. Seiner
Tisza-Partei kam diesen Angaben zufolge beim selben Auszählungsstand
auf 53,27 Prozent der Stimmen. Wahlforschern zufolge liegt die Tisza
in genügend Wahlkreisen ausreichend vorn, um eine komfortable
Parlamentsmehrheit zu erlangen. Wie Magyar in Budapest erklärte, habe
ihm Orban telefonisch zum Wahlsieg gratuliert.
Die Wahl galt als wichtigste Wählerentscheidung seit der
demokratischen Wende 1989/90. Orban hat in seiner Regierungszeit seit
2010 einen halb-autoritären Staat errichtet, sein Land auf einen
Konfrontationskurs zur EU gesteuert und sich mit Russland und der
US-Regierung von Präsident Donald Trump verbündet.
Für die Europäische Union ist diese Wahl richtungsweisend
In der EU blockierte er mit seinen Vetos wichtige Hilfen für die von
Russland angegriffene Ukraine. Die Union brachte er damit an den Rand
der Handlungsunfähigkeit. Wegen der Verstöße gegen das Prinzip der
Rechtsstaatlichkeit legte die EU Milliardenhilfen aufs Eis, die
Ungarn zustehen würden.
Sollten sich die Teilergebnisse bestätigen, kann Magyar einen
historischen Sieg für sich verbuchen. Der Herausforderer kommt selbst
aus dem Inneren der Fidesz-Partei, brach aber vor zwei Jahren mit
ihr. Er vermochte die von Orban praktizierte Art der Machtausübung
nicht weiter zu ertragen, sagte er.
In der kurzen Zeit bis zu dieser Wahl baute Magyar eine mächtige, von
breiten Schichten getragene Bürgerbewegung auf, die das Rückgrat der
Tisza bildet. In seinem Wahlprogramm versprach er eine Erneuerung der
Politik in dem EU- und Nato-Land. Der grassierenden Korruption und
Misswirtschaft sagte er den Kampf an. Das Verhältnis zur EU und zu
den westlichen Partnern will er seinen Worten zufolge reparieren.
Die Wahlbeteiligung erreichte einen Rekordwert. Sie betrug eine halbe
Stunde vor Schließung der Wahllokale 77,8 Prozent.
