Was Magyars Sieg für Europa und den Ukraine-Krieg bedeutet Von Katharina Redanz und André Ballin, dpa

13.04.2026 11:52

Tanzende Menschen in Budapest, Erleichterung in Brüssel, Freude in
Kiew, Unmut in Moskau: Welche Folgen hat das Wahlergebnis über Ungarn
hinaus?

Brüssel (dpa) - Der Wahlsieg von Oppositionsführer Peter Magyar
markiert einen politischen Umbruch in Ungarn - und könnte weit über
das Land hinaus wirken. In Brüssel und Kiew, aber auch in Moskau und
Washington wird genau hingeschaut. Während auf den Straßen in
Budapest gefeiert und in der EU aufgeatmet wird, dürften anderswo die
Korken in den Sektflaschen bleiben. 

Was bedeutet das Ergebnis für Europa?

In Brüssel und in den meisten EU-Hauptstädten sorgt Magyars Wahlsieg
für Erleichterung. Ungarns Regierungschef Viktor Orban stört seit
Jahren weitreichende EU-Vorhaben. Das reicht von offener
Konfrontation bei der großen Fluchtbewegung 2015 über ein Veto bei
Haushaltsverhandlungen bis zu systematischen Blockaden, insbesondere
seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022.

Die Hoffnung wächst, dass milliardenschwere EU-Finanzhilfe für die
Ukraine bald auf den Weg gebracht werden kann - bislang blockierte
Orban das Paket. Gleiches gilt etwa für von Orban verhinderte
Russland-Sanktionen. Zwar gilt Magyar nicht als besonders
entschiedener Unterstützer der Ukraine, doch wird er als prowestlich
und deutlich weniger russlandnah als Orban eingeschätzt. 

Eine weitere große Hoffnung in Brüssel ist, dass Magyar Ungarn beim
Thema Rechtsstaatlichkeit wieder auf EU-Kurs bringt. Die Defizite
galten zuletzt als so gravierend, dass EU-Mittel in zweistelliger
Milliardenhöhe eingefroren wurden. Kritisiert werden vor allem Mängel
bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, bei der Korruptionsbekämpfung,

Interessenkonflikte sowie eine politisch beeinflussbare
Staatsanwaltschaft. Auch in der Migrationspolitik verweigert sich
Ungarn seit Jahren, europäische Vereinbarungen zu achten und ist
deswegen auch schon vom Europäischen Gerichtshof zu einer hohen
Geldstrafe verurteilt worden.

Was bedeutet die Wahl für die Ukraine?

Die Ukraine ist nach Einschätzung von Experten einer der größten
Gewinner der Wahl im Nachbarland. Regierungschef Orban hatte seinen
Wahlkampf auf antiukrainischer Rhetorik aufgebaut. Generell lehnte er
Hilfen für Kiew mit dem Verweis darauf ab, dass Ungarn dadurch in den
Krieg hineingezogen würde. Zuletzt hatten sich die Spannungen wegen
des Streits um eine zerstörte Transitleitung, aus der russisches Öl
durch die Ukraine nach Ungarn floss, noch verschärft.

Kiew kann nun nicht nur auf das bislang von Orban blockierte, aber
dringend benötigte Geld hoffen, sondern auch darauf, dass Budapest
seine Blockadehaltung gegenüber Ukraine-Hilfen insgesamt lockert. Die
Beitrittsperspektiven Kiews zur EU sind zwar weiterhin unkonkret,
aber mit der Regierung Orban tritt ein gewaltiger Bremser ab.

Wie sind die Auswirkungen für Russland? 

Russland wiederum verliert einen wichtigen Verbündeten im Westen -
und wie Medienberichte nahelegen - auch einen guten Informanten. Der
ungarische Außenminister Peter Szijjarto soll abgehörten
Telefongesprächen zufolge nach Beginn des von Kremlchef Wladimir
Putin befohlenen Angriffskriegs gegen die Ukraine seinen russischen
Amtskollegen Sergej Lawrow heimlich über die EU-Politik gegenüber
Moskau informiert haben. Das ermöglichte es Russland, seine Schritte
etwa auf Sanktionen im Voraus zu planen.

Mehrfach habe sich Budapest als Interessenvertreter des Kremls in der
EU angeboten und auch betätigt, heißt es. Laut einem Telefonat soll
Lawrow Szijjarto um die Aufhebung bestimmter Sanktionen gegen
Verwandte eines russischen Oligarchen gebeten haben - tatsächlich
wurden diese später auf Drängen Budapests zurückgenommen. 

Magyar hatte im Wahlkampf angekündigt, sein Land wieder fest
innerhalb der EU verankern zu wollen. Alleingänge wie die mit
niemandem im Bündnis abgesprochenen Moskau-Besuche Orbans oder
Szijjarto wird es wohl unter ihm erst einmal nicht mehr geben.

Wie fallen die Reaktionen in Deutschland und bei der AfD aus?

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reagierte sehr deutlich: «Der
Rechtspopulismus hat gestern in Ungarn eine schwere Niederlage
erlitten. Und das betrifft nicht nur Ungarn. Von Ungarn geht ein sehr
klares Zeichen aus gegen den Rechtspopulismus auf der ganzen Welt.» 

Für die AfD ist das ein herber Schlag. Die Enttäuschung wird in
Beiträgen von AfD-Politikern auf der Plattform X deutlich.
Parteichefin Alice Weidel, die Orban als Vorbild bezeichnete und von
ihm vor einiger Zeit fast wie ein Staatsgast empfangen wurde,
reagierte zunächst gar nicht. 

Man nehme das Wahlergebnis in Ungarn mit Respekt zur Kenntnis,
schrieb der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion
Markus Frohnmaier. «Es widerlegt die Behauptung, Ungarn sei ein
autoritär regierter Staat. Wir hoffen, dass der Wahlsieger an einer
restriktiven Migrationspolitik festhält, sich nicht dem Zentralismus
aus Brüssel beugt und dazu beiträgt, die Ukraine weiter mit
europäischen Mitteln zu alimentieren.»