Bekannter chinesischer Menschenrechtler Yu Wensheng wieder frei
14.04.2026 03:28
Yu Wensheng galt als Vertreter in heiklen Fällen. 2023 wurde er
während des Besuchs der damaligen deutschen Außenministerin
festgenommen. Trotz seiner Freilassung fürchtet die EU um Yus Rechte.
Peking (dpa) - Nach drei Jahren hinter Gittern hat China den
Bürgerrechtler und Anwalt Yu Wensheng aus dem Gefängnis entlassen. Er
sei nach Peking zurückgekehrt, schrieb seine Frau auf der
Online-Plattform X. Die EU habe die Freilassung zur Kenntnis
genommen, erklärte ein Sprecher. «Wir befürchten, dass Yu Wensheng
nach seiner Freilassung weiterhin Überwachung und Einschränkungen
ausgesetzt sein wird», teilte die EU mit. Die EU fordere China auf,
alle Rechte und Freiheiten Yus und seiner Frau Xu Yan uneingeschränkt
zu achten, hieß es weiter.
Yus Fall hatte auch die Aufmerksamkeit der Bundesregierung auf sich
gezogen. Im April 2023 war er mit seiner Frau Xu Yan in Peking
während eines Besuchs der damaligen Bundesaußenministerin Annalena
Baerbock (Grüne) auf dem Weg zum Sitz der EU-Delegation, die unweit
der deutschen Botschaft liegt, festgenommen worden.
Internationale Kritik an Urteilen
Die Behörden hatten beiden vorgeworfen, Streit angefangen und Ärger
provoziert zu haben - eine Anschuldigung, die immer wieder erhoben
wird, um Kritiker mundtot zu machen. Im Oktober 2024 hatte ein
Gericht in der ostchinesischen Großstadt Suzhou beide wegen
«Anstiftung zu Untergrabung der Staatsgewalt» verurteilt. Xu hatte
eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten erhalten, Yu drei
Jahre Haft.
Neben den USA hatten damals die EU und Deutschland das Urteil
kritisiert. Yu hatte unter anderem politisch heikle Fälle angenommen
und stand der Kommunistischen Partei kritisch gegenüber. 2018 wurde
er während einer anderen Haftstrafe mit dem Deutsch-Französischen
Preis für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit ausgezeichnet, um
seinen Einsatz für den Schutz von Menschenrechten zu würdigen.
