Zu abhängig von China? EU-Kammer warnt vor Folgen für Europa
14.04.2026 05:23
Chinas Exportkontrollen treffen viele Firmen. Doch weniger abhängig
von Peking zu werden, erweist sich als schwierig. Ein Bericht der
EU-Handelskammer warnt vor Risiken dieser Abhängigkeit für Europa.
Peking (dpa) - Entgegen Forderungen nach einer Risikominderung setzen
europäische Firmen laut EU-Handelskammer weiter auf China. «Trotz
aller Diskussionen sehen wir nicht wirklich, dass Europa weniger
abhängig von China wird», sagte Kammerpräsident Jens Eskelund in
Peking. Im vergangenen Jahr hatten mit 26 Prozent doppelt so viele
Firmen in einer Umfrage angegeben, ihre Lieferketten nach China zu
verlagern, wie Firmen, die diese von dort wegverlegen oder sich ein
zweites Standbein im Ausland aufbauen wollen.
Dieser Trend setze sich eindeutig fort, sagte der Präsident der
Interessenvertretung von mehr als 1.600 europäischen Mitgliedsfirmen
in China. Dabei sind dem Dänen zufolge viele Firmen wegen der
Unsicherheiten nicht unbedingt begeistert, China noch mehr ausgesetzt
zu sein. Es handele sich eher um einen «Überlebensmechanismus».
Viele EU-Firmen hätten mindestens einen chinesischen Konkurrenten.
Wer im Markt gewinnen wolle, brauche das bessere Produkt zum
niedrigeren Preis, sagte Eskelund. Dies sei nur möglich, wenn man
chinesische Lieferketten nutze, erklärte er.
Risikofaktor Exportkontrollen
Doch die Abhängigkeiten schafften Probleme, die nun politische
Reaktionen erzeugten, sagte Eskelund. Besonders einschneidend waren
Pekings Exportkontrollen im vergangenen Jahr auf sieben seltene Erden
und die daraus gefertigten Magnete. China ist weltweit führend in der
Produktion dieser wichtigen Rohstoffe, die in Motoren, Smartphones
und vielen Alltagsgeräten stecken.
Im Herbst hatte Peking Exportkontrollen gegen weitere seltene Erden
angedroht. Diese wurden jedoch bis November dieses Jahres vertagt,
nachdem US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping in
Südkorea eine Pause in ihrem laufenden Handelsstreit vereinbart
hatten.
Kammer warnt vor Schaden für EU
Zur Überraschung der Kammer gaben Anfang dieses Jahres in einer
Umfrage fast ein Drittel der Mitglieder an, von den Exportkontrollen
betroffen zu sein. In Anbetracht der wenigen kontrollierten Stoffe
sei die Menge an betroffenen Produkten «unglaublich», hieß es. «Ich
glaube nicht, dass irgendjemand wirklich weiß, ob Europa ohne China
überhaupt Zahnpasta herstellen könnte», sagte Eskelund.
Ein neuer Bericht der Kammer betont, einige Firmen sorgten sich, dass
China über die erforderlichen Details in den Anträgen für
Exportlizenzen Abhängigkeiten von Firmen erfassen könne. «Die
Abhängigkeit der EU von China ist groß genug, dass das Land - durch
sein Exportkontrollsystem - der europäischen Wirtschaft nun
beispiellosen Schaden zufügen könnte, sollte es sich dazu
entschließen», warnt die Kammer.
