Prozess um Kraftwerk: EuGH setzt Maßstäbe für Musik-Sampling

14.04.2026 11:58

20 Jahre dauerte der Rechtsstreit der Elektro-Band Kraftwerk mit
Moses Pelham um zwei Sekunden Musik: Das höchste europäische Gericht
beschreibt nun, wann Musik-Sampling als «Pastiche» erlaubt ist.

Luxemburg (dpa) - Im jahrzehntelangen Rechtsstreit der Elektro-Band
Kraftwerk mit Musikproduzent Moses Pelham hat der Europäische
Gerichtshof (EuGH) Leitlinien dazu vorgelegt, wann das Kopieren von
Musiksequenzen ausnahmsweise ohne Erlaubnis des Rechteinhabers
zulässig sein kann. 

Die Richterinnen und Richter in Luxemburg präzisierten in ihrer
Entscheidung den Begriff des Pastiches - eine urheberrechtliche
Ausnahme von der Zustimmungspflicht für die Vervielfältigung von
Werken, neben der Karikatur und der Parodie. Der konkrete Fall ist
mit dem Urteil aber noch nicht entschieden.

Künstlerischer Dialog?

Die Pastiche-Ausnahme erfasst laut Mitteilung des Gerichtshofs
Schöpfungen, die an ein bestehendes Werk erinnern, gleichzeitig aber
wahrnehmbare Unterschiede aufweisen. Darüber hinaus müssten sie mit
dem Werk einen erkennbaren künstlerischen oder kreativen Dialog
führen. Dieser Dialog könne verschiedene Formen annehmen, etwa die
offene Nachahmung eines Stils, eine Hommage oder eine humoristische
Auseinandersetzung.

Zwei Sekunden als Auslöser

Hintergrund des Falls ist eine zwei Sekunden lange Tonfolge, die der
Hip-Hop-Produzent Pelham aus dem Kraftwerk-Titel Metall auf Metall
(1977) entnahm und, in einer leicht verlangsamten Version, im Song
Nur mir aus dem Jahr 1997 verwendete - ohne vorherige Zustimmung der
Musikgruppe. Kraftwerk-Mitbegründer Ralf Hütter war der Ansicht, dass
das sogenannte Sample daher gestohlen worden sei, und verklagte den
Produzenten. Weil die Verwendung von Samplen aus älteren Songs in der
Musikindustrie eine verbreitete Praxis ist, hat der Streit
Signalwirkung für die gesamte Branche. 

Der Rechtsstreit geht seit mehr als 20 Jahren durch alle Instanzen,
auch der EuGH sprach bereits 2019 ein erstes Urteil in der Sache. Nun
geht es nur noch um den Zeitraum ab Juni 2021, da ab diesem Zeitpunkt
der Pastiche-Begriff durch EU-Recht im deutschen Recht eingeführt
wurde.

Luxemburger Leitlinien maßgeblich

Der Bundesgerichtshof hatte sich deswegen erneut an das höchste
europäische Gericht gewandt und gebeten, den Begriff und die dafür
geltende Ausnahme genauer zu definieren. Bei seiner ausstehenden
Entscheidung muss er die Leitlinien aus Luxemburg berücksichtigen.
Der EuGH stellte dabei fest, dass der Bundesgerichtshof selbst darauf
hingewiesen hatte, dass die Vorinstanz bei Pelhams Sample von einer
künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Kraftwerk-Beat ausgegangen
war.