Sudan-Konferenz sucht Wege aus der humanitären Katastrophe Von Eva Krafczyk und Jörg Blank, dpa

15.04.2026 05:00

Kann es von Berlin aus Schritte zu einer Waffenruhe im
Bürgerkriegsland Sudan geben? An der Spree geht es um Diplomatie,
Hilfszusagen und einen zivilen Weg aus der Krise.

Berlin (dpa) - Drei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs im Sudan
nehmen Spitzenpolitiker aus Europa und Afrika sowie Vertreter ziviler
Gruppen einen neuen Anlauf hin zu einer Friedenslösung für den
blutigen Konflikt. Die internationale Sudan-Konferenz in Berlin soll
auch dafür sorgen, dass die laut UN aktuell größte humanitäre Krise

weltweit angesichts der Kriege im Iran und der Ukraine nicht aus dem
Blick der Öffentlichkeit gerät. Ein Durchbruch hin zu einem
Waffenstillstand wird nicht erwartet.

Die bislang dritte Sudan-Konferenz nach Treffen in Paris und London
wird von der Bundesregierung zusammen mit Großbritannien, Frankreich,
den USA sowie der Europäischen und Afrikanischen Union ausgerichtet.
Die Veranstaltung am dritten Jahrestag des Beginns des Konflikts
besteht aus einem Treffen von Außenministern, einer humanitären
Konferenz mit Finanzierungszusagen und einer Zusammenkunft ziviler
Akteure, um einen Friedensfahrplan auszuhandeln. 

Insgesamt sind 120 Delegationen ins Auswärtige Amt eingeladen, etwa
60 davon aus der Zivilgesellschaft. Von den Beratungen der zivilen
Vertreter aus dem Sudan wie aus dem Exil verspricht man sich in
Berlin viel. Die Gefahr sei groß, dass am Ende sonst erneut
militärische Kräfte die Macht übernehmen würden, wird gewarnt. In
Paris hatte es humanitäre Hilfszusagen in Höhe von etwa zwei
Milliarden Euro und in London von etwa einer Milliarde Euro gegeben.
Man hofft, bei den Zusagen wieder im Bereich von London zu landen. 

Wer gegen wen im Sudan kämpft

Der Bürgerkrieg im drittgrößten Land Afrikas begann am 15. April
2023. Seit drei Jahren kämpfen die sudanesische Regierungsarmee SAF
von De facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und die Miliz RSF
unter Mohamed Hamdan Daglo erbittert um die Vorherrschaft im Land.
Einst hatten sich die beiden gemeinsam an die Macht geputscht - Daglo
war al-Burhans Stellvertreter. 

Mittlerweile ist das Land zu weiten Teilen in Kontrollsphären
aufgeteilt: Die Armee kontrolliert seit dem vergangenen Jahr wieder
die zu großen Teilen zerstörte Hauptstadt Khartum und den Osten des
Sudans. Die RSF hat mit der Eroberung der Stadt Al-Faschir die große
Region Darfur im Westen unter Kontrolle. Dort hat sie nicht nur
Zugang zu Versorgungsrouten aus dem Tschad, Libyen und der
Zentralafrikanischen Republik, sondern kann mit der Kontrolle über
wichtige Goldvorkommen auch Waffenkäufe finanzieren. 

Derzeit wird vor allem in der weiter südlich gelegenen Region
Kordofan heftig gekämpft. Experten wie Alan Boswell von der
International Crisis Group sehen die Gefahr einer dauernden Teilung
des Landes.

Wer unter Menschenrechts- und Kriegsverbrechen leiden muss

Menschenrechtsorganisationen werfen sowohl der SAF als auch der Miliz
RSF Menschenrechts- und Kriegsverbrechen vor. Die Vereinten Nationen
sprechen angesichts von weit verbreitetem Hunger und derzeit 11,6
Millionen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen von der größten
humanitären Krise der Welt. 19 Millionen Menschen sind von Hunger
bedroht, bis zu 80 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nach
Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zerstört
oder nicht arbeitsfähig.

Der SAF werden willkürliche Bombardierungen auch von Wohngebieten
vorgeworfen. Die RSF setzt sexuelle Gewalt als Kriegswaffe ein,
besonders gegen die nicht-arabischen Bevölkerungsgruppen in Darfur. 

Sexuelle Gewalt sei zu einem prägenden und allgegenwärtigen Merkmal
des Konflikts geworden, hieß es in einem Ende März vorgestellten
Bericht der Ärzte ohne Grenzen. «Dieser Krieg wurde in vielerlei
Hinsicht auf dem Rücken und den Körpern von Frauen und Mädchen
geführt.» Zudem gibt es Berichte über Massaker, Folter und
Massenerschießungen besonders in Darfur. UN-Ermittler sehen Merkmale
von Völkermord.

Wer im Land noch mitmischt 

In dem Bürgerkrieg geht es auch um Einflusssphären: Es gilt als
unstrittig, dass die RSF Unterstützung durch die Vereinigten
Arabischen Emirate (VAE) erhält. Anfang 2025 verfügten die USA
Sanktionen gegen ein Netzwerk von Unternehmen in den Emiraten, die
Daglo und seiner Familie gehören beziehungsweise von ihnen
kontrolliert werden. Die Regierung wiederum wird von Nachbarland
Ägypten und von Saudi-Arabien unterstützt.

Vermittlungsversuche von außen blieben bislang erfolglos, auch weil
es nicht gelang, die Konfliktparteien an einen Verhandlungstisch zu
bringen. Zudem sind in der sogenannten Quad-Gruppe außer den USA
Ägypten, Saudi-Arabien und die VAE vertreten - Staaten, die im Sudan
auch eigene Interessen verfolgen.

Zahl der Toten lässt sich nur schätzen

Das IKRK berichtete am Dienstag, allein in Khartoum seien mehr als
20.000 Leichen geborgen und beigesetzt worden. In Schätzungen ist von
deutlich mehr als 150.000 Toten die Rede. Angesichts von Massakern
und Massengräbern, die Wissenschaftler etwa des Humanitarian Research
Lab der Yale Medical School auf Satellitenaufnahmen identifizierten,
dürfte die wahre Zahl der Opfer erst nach dem Ende des Krieges
festgestellt werden können.