Studie: Deutsche Exporte wachsen deutlich schwächer
15.04.2026 06:00
Weniger China, weniger USA: Deutschlands Exporte verlieren an Tempo.
Doch Experten sehen auch Chancen. Länder wie Polen, Indien und
Australien rücken in den Fokus.
München (dpa) - Handelskriege und zunehmender Protektionismus dürften
nach Einschätzung von Experten das Wachstum der deutschen
Industrieexporte deutlich reduzieren. Bis 2035 sei nur noch mit einem
Wachstum der Ausfuhren um 1,3 Prozent pro Jahr zu rechnen, so die
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in einer neuen Studie. In
den vergangenen zehn Jahren waren es den Angaben zufolge noch 2,1
Prozent gewesen.
Grund für die Abkühlung ist der Studie zufolge vor allem der Wegfall
der bisherigen Wachstumstreiber China und USA. Statt Zuwächsen
rechnen die Experten in beiden Ländern nun mit Rückgängen: Die
deutschen Ausfuhren in die USA dürften demnach im Schnitt um 1,5
Prozent pro Jahr schrumpfen, Exporte nach China sogar um 1,7 Prozent.
Immerhin: Mit Blick auf die USA fällt der Einbruch damit nicht mehr
ganz so dramatisch aus, wie noch vor einem Jahr befürchtet. Im März
2025 hatte Deloitte in einer damaligen Studie noch mit jährlich 3,2
Prozent Schwund im US-Geschäft gerechnet.
Frankreich überholt China
Deutliche Zuwächse erwarten die Experten dagegen im Handel innerhalb
Europas. Frankreich habe China bereits 2025 als zweitwichtigsten
Handelspartner Deutschlands überholt. «Es ist damit zu rechnen, dass
auch die Industrieexporte in die Niederlande und Großbritannien die
Ausfuhren in die Volksrepublik in wenigen Jahren übersteigen», sagt
Oliver Bendig, Partner und Leiter der Industrie-Beratung bei
Deloitte.
Auch das Geschäft mit Polen sehen die Experten anwachsen: Im Schnitt
werde es um fast 3 Prozent pro Jahr wachsen und 2035 dann ebenfalls
China als Absatzmarkt überholen. Noch größeres Potenzial sehen die
Experten in Ländern wie Indien, Brasilien und Australien. Im Schnitt
rechnen sie dort mit Wachstumsraten von 3,9 bis 4,7 Prozent pro Jahr.
Handelsabkommen helfen
Deutschland und die EU seien daher gut beraten, entsprechende
Handelsabkommen zu schließen. «Als Industrienation braucht
Deutschland ein neues Geschäftsmodell», sagt Bendig. Jüngste
Abschlüsse wie die mit Indien und dem Mercosur seien hier Grund zur
Hoffnung.
Doch, so ergänzt Jürgen Sandau, Partner und Lieferkettenexperte bei
Deloitte: «Hoffnung allein reicht nicht.» Die Unternehmen müssten die
neuen Möglichkeiten nun auch nutzen und ihre Absatzmärkte breiter
aufstellen. «Und Europa muss seine Handelshemmnisse im Binnenmarkt
weiter abbauen.» Dann könnten die Zuwächse in Europa sogar noch
größer ausfallen.
