Kritik nimmt zu: Kanye West verschiebt Marseille-Auftritt

15.04.2026 15:44

An den geplanten Auftritten von Kanye West in Europa gibt es teils
heftige Kritik. In Großbritannien darf der Rapper nicht einreisen,
seine Marseille-Show verschiebt er. Drohen ihm weitere Absagen?

Paris/London (dpa) - Der Druck auf US-Rapper Kanye West in Europa
wächst: Nach dem Einreiseverbot durch die britische Regierung ist
West nun den französischen Behörden zuvorgekommen und hat seinen
geplanten Auftritt in Marseille verschoben. Zuletzt war
bekanntgeworden, dass Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez
entschlossen sei, das Konzert zu verbieten. 

«Nach reiflicher Überlegung und Abwägung habe ich aus eigener
Entscheidung beschlossen, meine Show in Marseille, Frankreich, auf
unbestimmte Zeit zu verschieben», schrieb der 48 Jahre alte Musiker
auf der Plattform X. 

Antisemitische Äußerungen sind Straftat in Frankreich

Kanye West, der inzwischen unter dem Namen Ye auftritt, sollte am 11.
Juni im Velodrome in Marseille auftreten. Aus dem Umfeld des
französischen Innenministers hatte es geheißen, dass die zuständigen

Stellen sich über ein mögliches Konzertverbot beugten. Grund dafür
seien antisemitische Aussagen Wests. Diese seien keinesfalls bloß
eine Meinung, sondern in Frankreich eine Straftat.

Bereits der Bürgermeister von Frankreichs zweitgrößter Stadt Benoît

Payan hatte sich gegen den Auftritt ausgesprochen: «Ich weigere mich,
dass Marseille eine Vitrine für diejenigen ist, die Hass und
hemmungslosen Nazismus fördern.» West sei im Marseiller Velodrome
nicht willkommen. West war in der Vergangenheit immer wieder mit
rassistischen und antisemitischen Äußerungen aufgefallen. Offiziell
hat der Musiker sein Konzert in Marseille nur verschoben und nicht
abgesagt. Die französischen Behörden warten daher nun erst einmal ab.

Keine Auftritte in London

Noch entschlossener handelte zuletzt die britische Regierung: Sie
hatten dem Rapper die Einreise in das Vereinigte Königreich
verweigert. Eigentlich sollte Ye in diesem Sommer beim Wireless
Festival im Londoner Finsbury Park auftreten. Die Ankündigung sorgte
im Vereinigten Königreich, das mit antisemitischen Straftaten zu
kämpfen hat, für Kritik und Entrüstung. Schließlich machte die
britische Regierung dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und
verweigerte West die Einreise. Das Festival wurde daraufhin komplett
abgesagt.

Kanye Omari West zählt zu den einflussreichsten und zugleich
polarisierendsten Künstlern der Musikindustrie. Immer wieder fiel er
mit rassistischen und antisemitischen Aussagen auf. 2025 hatte er ein
Lied mit dem Titel «Heil Hitler» veröffentlicht. Anfang des Jahres
bat er schließlich in Form einer ganzseitigen Anzeige im «Wall Street
Journal» um Entschuldigung. «Ich bin weder ein Nazi noch ein
Antisemit», schrieb der Ex-Mann von Kim Kardashian und führte seine
früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück.

Auf seine Ankündigung, den Marseille-Aufritt zu verschieben, folgte
nun eine weitere Entschuldigung des Rappers. «Ich weiß, es braucht
Zeit, um die Aufrichtigkeit meines Bemühens zu verstehen,
Wiedergutmachung zu leisten», heißt es in einem X-Beitrag. «Ich
übernehme die volle Verantwortung für das, was mir zuzurechnen ist,
aber ich möchte meine Fans nicht mit hineinziehen. Meine Fans
bedeuten mir alles.»

Auschwitz-Überlebende wollen Konzertverbote

Auschwitz-Überlebende hatten am Wochenende die Einreiseverweigerung
der Briten begrüßt und ähnliche Schritte auch in anderen Ländern
gefordert. Die Entscheidung Londons sei von Überlebenden weltweit
«mit großer Erleichterung und Zustimmung» aufgenommen worden, sagte
Christoph Heubner vom Internationalem Auschwitz Komitee.

Denn im Sommer will der Rapper auch in mehreren anderen europäischen
Ländern auftreten, darunter etwa in Polen, Italien und Spanien. In
Portugal und Spanien gibt es derzeit allerdings keine Debatte über
eine mögliche Absage der Auftritte.

Anders sieht es in den Niederlanden aus. Am 6. und 8. Juni soll Ye in
Arnheim an der niederländisch-deutschen Grenze auftreten. Eine
Mehrheit der Parteien will im Parlament jedoch prüfen lassen, ob ein
Auftritt des Rappers nach dem Vorbild Großbritanniens verboten werden
kann.

Die Regierung aber ist bislang zurückhaltend. Migrationsminister Bart
van den Brink und Justizminister David van Weel erklärten, dass einem
Ausländer die Einreise nur dann verboten werden könne, wenn eine
Gefahr für die öffentliche Ordnung drohe. Darauf deute aber bisher
nichts hin. Die christdemokratische Regierungspartei CDA hatte sich
zuletzt für ein Verbot ausgesprochen, der Arnheimer Bürgermeister
Ahmed Marcouch sieht bisher keinen rechtlichen Grund, die Konzerte zu
verbieten.