Von der Leyen wirbt für Nutzung: App für Alters-Check fertig

15.04.2026 13:12

Kinder sollen in der EU vor Pornos, Gewalt und Co. im Netz geschützt
werden. Dafür ist eine App fertig entwickelt. Die
EU-Kommissionspräsidentin sieht nun Deutschland und andere am Zug.

Brüssel (dpa) - EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ruft
Deutschland und andere Mitgliedstaaten zur Nutzung einer europäischen
App für eine digitale Altersüberprüfung auf. In der Debatte um den
Schutz von Kindern in der Onlinewelt brauche es einen einheitlichen
europäischen Ansatz, sagte von der Leyen in Brüssel. Die von der
Europäischen Kommission entwickelte App sei nun «technisch fertig».

Die Verifikations-App soll es ermöglichen, das Alter von Nutzerinnen
und Nutzern anonym zu prüfen, ohne persönliche Daten wie Name oder
Geburtsdatum zu speichern. Eine Beta-Version der App hatten etwa
Dänemark, Frankreich, Spanien, Griechenland und Italien bereits
getestet - Deutschland hingegen nicht.

App für Tiktok und Co. keine Pflicht - aber Gradmesser

Mehrere Mitgliedsländer hatten zudem angekündigt, die fertige App an
ihre nationalstaatlichen Gegebenheiten anzupassen und ihren Bürgern
anbieten zu wollen. «Ich hoffe, dass weitere Mitgliedstaaten und die
Privatwirtschaft diesem Beispiel folgen werden, damit bald jeder
Bürger diese App nutzen kann», sagte von der Leyen. Eine Pflicht, die
von der EU entwickelte App zu nutzen, gibt es für Deutschland und die
anderen EU-Staaten allerdings nicht.

Tiktok, Instagram und Co. sind nach Ansicht der EU wegen des Gesetzes
über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) dazu
verpflichtet, mit einer angemessenen Altersverifikation den Schutz
von Minderjährigen sicherzustellen. Sie müssen dafür nicht zwingend
die App der EU nutzen, sie gilt für sie nach Ansicht der
EU-Kommission als «Goldstandard».

Wird es ein europaweites Social-Media-Verbot geben? 

Die App könnte auch für ein mögliches Verbot von Social-Media für
Kinder und Jugendliche bis zu einem bestimmten Alter eine
entscheidende Rolle spielen. Darüber wird auch in Brüssel diskutiert.
Allerdings: Ob die EU-Kommission sich für ein europaweites
Mindestalter in den sozialen Netzwerken einsetzen wird oder nicht,
bleibt offen. Eine von der Kommission eingesetzte Expertenkommission
berät dazu und soll im Sommer Vorschläge zum weiteren Vorgehen
präsentieren.

Mehrere Mitgliedsländer, darunter Frankreich, Spanien, Griechenland
und Österreich, haben bereits angekündigt, ein Social-Media-Verbot
für Minderjährige bis zu einem bestimmten Alter gesetzlich festlegen
zu wollen. Zum Teil gibt es auch schon Gesetzesentwürfe. Brüssel
steht daher unter Druck. 

In der schwarz-roten Koalition haben sich CDU und SPD für ein
Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige und bestimmte Schutzregeln
bis zum Alter von 16 Jahren ausgesprochen. Die mitregierende CSU
zeigt sich zurückhaltend.