OCHA-Chef: Brauchen klare Vision für Zukunft des Sudans
15.04.2026 13:26
Der Chef des UN-Nothilfebüros (OCHA) findet angesichts der
humanitären Katastrophe im Sudan mahnende Worte. Er spricht von
Frustration und Wut der vom Bürgerkrieg betroffenen Bevölkerung.
Berlin (dpa) - Der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher bezeichnet die
dritte internationale Sudan-Konferenz in Berlin als Bewährungsprobe
für die internationale Gemeinschaft. «Wenn wir eine vierte Konferenz
abhalten, auf der wir nur weitere Worte und Erklärungen abgeben,
werden wir das sudanesische Volk weiterhin im Stich lassen», sagte er
am dritten Jahrestag des Bürgerkrieges in dem nordostafrikanischen
Land. «Was wir brauchen, ist eine klare Vision für die Zukunft des
Sudans.»
Er bringe nach Berlin «die Frustration, die Wut und die Verzweiflung
einer Bevölkerung mit, die so viel Leid erfahren hat», sagte
Fletcher. «Zu viel sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen, zu viele
Tote durch Drohnenangriffe internationaler Akteure, zu viel
Vernachlässigung und Apathie seitens der internationalen
Gemeinschaft.» Notwendig sei ein Ende der Waffen- und
Drohnenlieferungen, die so viele Menschen im Sudan, aber auch
humanitäre Helfer töteten.
US-Sonderberater fordert humanitäre Waffenruhe
Der Berater der US-Regierung für die afrikanischen und arabischen
Länder, Massad Boulos, bekräftigte vor der Konferenz die
Notwendigkeit einer sofortigen humanitären Waffenruhe. «Wir wünschen
uns, dass sie von beiden Seiten ohne Vorbedingungen sofort akzeptiert
wird», damit man Zeit gewinne, am politischen Übergang zu arbeiten,
sagte er. «Selbstverständlich werden wir in der Zwischenzeit an einem
dauerhaften Waffenstillstand arbeiten. Die Menschen im Sudan haben
genug gelitten.»
Aus Sicht der USA müsse im Rahmen einer humanitären Waffenruhe
unverzüglich damit begonnen werden, bewaffnete Einheiten aus Städten
wie beispielsweise Al-Faschir, der Hauptstadt von Nord-Darfur,
abzuziehen und so den Zugang für Hilfslieferungen zu ermöglichen.
Offizielle US-Position: In Al-Faschir wurde Völkermord begangen
Die Miliz RSF, die in dem seit drei Jahre andauernden Bürgerkrieg im
Sudan gegen die Regierungsarmee SAF kämpft, hatte Al-Faschir im
vergangenen Oktober nach monatelanger Belagerung erobert. Dabei kam
es nach Berichten von geflüchteten Überlebenden wie schon zuvor bei
der Eroberung eines nahe gelegenen Flüchtlingslagers zu Massakern.
Aus Sicht der USA sei dort Völkermord begangen worden, betonte
Boulos. «Das ist unsere offizielle Position.»
