Sudan-Konferenz: Druck für Ende der humanitären Katastrophe Von Eva Krafczyk und Jörg Blank, dpa
15.04.2026 15:06
Bei der dritten Konferenz seit Beginn des Bürgerkriegs vor drei
Jahren suchen Spitzenpolitiker der UN, aus Europa, den USA und Afrika
nach Wegen aus der Krise. Vor allem Kinder und Frauen leiden.
Berlin (dpa) - Drei Jahre nach Beginn des blutigen Bürgerkriegs im
Sudan machen Spitzenvertreter der UN, Europas, Afrikas und der USA
Druck für ein Ende des Konflikts. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher
forderte in Berlin bei der dritten internationalen Sudan-Konferenz
«eine klare Vision für die Zukunft des Sudans». Er sprach von einer
Bewährungsprobe für die internationale Gemeinschaft.
Das sudanesische Volk dürfe nicht weiter im Stich gelassen werden,
forderte Fletcher. «Friedensarbeit ist komplex und erfordert Geduld,
aber sie ist keine Raketenwissenschaft.»
Außenminister Johann Wadephul forderte die Weltgemeinschaft zu einem
stärkeren Engagement für ein Ende des Konflikts auf. «Diese große
humanitäre Katastrophe in Afrika darf nicht vergessen werden»,
verlangte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Die Konferenz werde
nicht die Lösung für den Konflikt sein, könne aber einen
substanziellen Beitrag leisten, dass die damit verbundene menschliche
Katastrophe wahrgenommen werde.
Mehr als elf Millionen Menschen auf der Flucht
Der Machtkampf zweier Generäle hat im drittgrößten Land Afrikas
entsetzliches Leid über die Zivilbevölkerung gebracht: Aktuell sind
11,6 Millionen Menschen auf der Flucht, es herrscht Hunger in vielen
Städten, kommt zu Massakern und massiver sexueller Gewalt. Die
Vereinten Nationen sprechen von der aktuell größten humanitären
Katastrophe weltweit. Die Hauptkontrahenten sind in Berlin nicht
dabei. An der Spree geht es vor allem um die Finanzierung humanitärer
Hilfe.
Fletcher sagte, er bringe «die Frustration, die Wut und die
Verzweiflung einer Bevölkerung mit, die so viel Leid erfahren hat».
Es gebe «zu viel sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen, zu viele
Tote durch Drohnenangriffe internationaler Akteure, zu viel
Vernachlässigung und Apathie seitens der internationalen
Gemeinschaft». Notwendig sei ein Ende der Waffen- und
Drohnenlieferungen durch Unterstützer der Kriegsparteien, die so
viele Sudanesen, aber auch humanitäre Helfer töteten.
Krieg der Generäle - «Sie zerstören ihr Land»
Der Bürgerkrieg im drittgrößten Land Afrikas begann vor genau drei
Jahren - am 15. April 2023. Seitdem kämpfen die Regierungsarmee SAF
von De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und die Miliz RSF
unter Mohamed Hamdan Daglo um die Vorherrschaft im Land. Einst hatten
sich die beiden gemeinsam an die Macht geputscht - Daglo war
al-Burhans Stellvertreter.
Der Vorsitzende der Kommission der Regionalorganisation Afrikanische
Union (AU), Mahmoud Ali Youssouf, sagte: «Die sudanesischen Akteure
zerstören ihr Land. Sie verlieren ganze Generationen von Sudanesen.»
Forderung nach humanitärer Waffenruhe
Der Berater der US-Regierung für die afrikanischen und arabischen
Länder, Massad Boulos, forderte wie der UN-Sondergesandte für den
Sudan, Pekka Haavisto, eine sofortige humanitäre Waffenruhe. Diese
solle ohne Vorbedingungen sofort akzeptiert werden, damit man an
einem politischen Übergang arbeiten könne, sagte Boulos.
Mehrere Konferenzteilnehmer sprachen sich für die Einbindung der
sudanesischen Zivilgesellschaft in die Gespräche über die Zukunft des
Landes aus - und einen demokratischen Neubeginn. Teil der Konferenz
in Berlin ist eine Plattform für Beratungen von Vertretern der
Zivilgesellschaft, die einen Plan hin zu einer zivilen statt einer
Militärregierung für das Land erarbeiten sollen.
Volker Türk, der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, forderte, die
Untersuchung von Gräueltaten im Bürgerkrieg an den Internationalen
Strafgerichtshof zu überweisen. «Extremst wichtig» sei ein
Waffenembargo für den gesamten Sudan, nicht nur für die Region
Darfur.
In dem Bürgerkrieg geht es auch um Einflusssphären: Es gilt als
unstrittig, dass die RSF Unterstützung durch die Vereinigten
Arabischen Emirate (VAE) erhält. Die Regierungstruppen wiederum
werden vom Nachbarland Ägypten und von Saudi-Arabien unterstützt.
Hoffnung auf umfangreiche Hilfszusagen
Die Sudan-Konferenz in Berlin nach Treffen in Paris und London wurde
von der Bundesregierung zusammen mit Großbritannien, Frankreich, den
USA sowie der Europäischen und Afrikanischen Union ausgerichtet. In
Paris hatte es Hilfszusagen in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro und
in London von etwa einer Milliarde Euro gegeben. Ziel sei es, in
Berlin die Mittel der vorherigen Konferenz in London zu übertreffen,
sagte Wadephul im Deutschlandfunk.
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagte der Deutschen
Presse-Agentur, die Bundesregierung müsse ihre Mittel für humanitäre
Hilfe auf drei Milliarden Euro anheben. Auch wenn nun wichtige
finanzielle Zusagen aus Deutschland kämen, dürfe das nicht darüber
hinwegtäuschen, dass die Bundesregierung ihre Mittel in diesem
Bereich - auch für den Sudan - mehr als halbiert habe. «Das ist
angesichts der katastrophalen Lage vor Ort widersprüchlich und
verantwortungslos.»
Die britische Außenministerin Yvette Cooper kündigte neue Hilfen in
Höhe von rund 168 Millionen Euro an. Norwegen will nach Angaben
seines Außenministers Espen Barth Eide 42 Millionen Euro
bereitstellen. In diesem Jahr sind nach UN-Angaben bisher nur 16
Prozent der Hilfsgelder für den Sudan gesichert.
