Spahn: Reaktivierung von Atomkraftwerken prüfen

15.04.2026 19:40

Kanzler Merz sieht im Atomausstieg zwar einen Fehler, nennt ihn aber
irreversibel. Fraktionschef Spahn schlägt nun überraschende andere
Töne an.

Berlin (dpa) - Unionsfraktionschef Jens Spahn zeigt sich offen für
eine Diskussion zur Wiederinbetriebnahme deutscher Atomkraftwerke.
Das solle man miteinander prüfen, sagte der CDU-Politiker in Berlin
am Rande eines Forschungskongresses der Unionsfraktion vor
Journalisten.

Er verwies auf Studien, wonach die stillgelegten Reaktoren der
letzten Jahre «mit um die neun, zehn Milliarden Euro wieder ans Netz
gehen könnten. Ich finde jedenfalls, diese Debatte müssen wir
gesellschaftlich führen.» In anderen Staaten würden 30 bis 50
Milliarden Euro investiert, um ein neues Kernkraftwerk zu bauen. «Wir
könnten mit deutlich weniger, unsere gerade abgeschalteten
Kernkraftwerke wieder ans Netz bringen. Eine Diskussion ist es in
jedem Fall wert.»

Merz: Beschluss zu Ausstieg irreversibel

Die Debatte über die Atomkraft hatte zuletzt wieder an Fahrt
aufgenommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die
Abkehr von der Technologie als strategischen Fehler bezeichnet.
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, er teile von der Leyens
Einschätzung, fügte aber hinzu, die Bundesregierungen zuvor hätten
entschieden, aus der Kernenergie auszusteigen. «Der Beschluss ist
irreversibel. Ich bedauere das, aber es ist so.»

Die AfD hatte dem widersprochen und einen Antrag in den Bundestag
eingebracht zur Wiederinbetriebnahme von Reaktoren und dabei ähnlich
argumentiert wie Spahn. Der für Atomkraft zuständige AfD-Abgeordnete
Paul Schmidt, nach eigenen Angaben mehr als zwanzig Jahre
Betriebsphysiker im Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg,
hatte Angaben des Verbands der deutschen Kerntechnik als plausibel
bezeichnet, wonach mehrere stillgelegte Kraftwerksblöcke innerhalb
von drei Jahren mit jeweils ein bis drei Milliarden Euro wieder in
Betrieb genommen werden könnten, weil dort bisher wenig Rückbau
passiert sei. Er nannte Neckarwestheim II und Brokdorf.

Deutschland war vor drei Jahren aus der Atomenergie ausgestiegen. Die
letzten drei Kernkraftwerke wurden Mitte April 2023 abgeschaltet.