) Milliardenmarkt Glücksspiel: Online-Angebote vor Gericht Von Valeria Nickel, dpa

16.04.2026 13:05

Viele Spielerinnen und Spieler hoffen auf die Rückzahlung ihrer
Verluste von Glücksspielanbietern im Netz ohne deutsche Lizenz. Was
sind die Probleme bei unerlaubten Zock-Angeboten?

Luxemburg (dpa) - Geld zurück bei verlorenen unerlaubten
Online-Glücksspielen und Sportwetten? Diese Frage beschäftigt derzeit
nicht nur viele deutsche Gerichte, sondern auch den Europäischen
Gerichtshof (EuGH). Die Richterinnen und Richter in Luxemburg ebneten
nun mit einem Urteil den Weg für die Erstattung von verlorenen
Einsätzen bei unerlaubten Angeboten. Hintergrund ist der Fall eines
Verbrauchers aus Deutschland, der Angebote von zwei
Spieleveranstaltern aus Malta genutzt hatte. In Tausenden weiteren
Fällen hoffen Spielerinnen und Spieler darauf, ihre Verluste von
Anbietern ohne deutsche Erlaubnis zurückzubekommen. Die
Streitigkeiten betreffen einen Milliardenmarkt. Das sollten
Verbraucherinnen und Verbraucher dazu wissen:

Welche Glücksspiele im Internet sind in Deutschland erlaubt?

Alle Anbieter von Online-Glücksspielen benötigen in Deutschland eine
behördliche Genehmigung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länd
er
(GGL), die die Anbieter beaufsichtigt. Ohne Erlaubnis ist das Angebot
illegal. 

Früher war Online-Glücksspiel ganz verboten. Die
Genehmigungsmöglichkeit gibt es seit dem Glücksspielstaatsvertrag von
2021, erklärt Glücksspiel-Rechtsexperte Marcus Röll. Demnach können

private Anbieter eine Genehmigung für virtuelle Automatenspiele und
Online-Poker bekommen, bestimmte Anbieter darüber hinaus für
Online-Casinos. Auf einer anderen rechtlichen Schiene laufen laut
Röll Sportwetten. Die Lizenzerteilung funktioniere hier seit 2020.

Was ist das Problem mit ausländischen Anbietern?

Erlaubnisse aus anderen Ländern reichen in Deutschland nicht, auch
nicht, wenn es sich um EU-Staaten handelt. Dennoch zockten viele
Verbraucherinnen und Verbraucher - insbesondere während
Online-Glücksspiele in Deutschland verboten waren - auf den Webseiten
von Anbietern mit Lizenzen im Ausland, beispielsweise Malta. Viele
fordern nun das dabei verlorene Geld zurück.

Beklagte maltesische Unternehmen wenden ein, dass die deutsche
Verbots-Regelung gegen die Dienstleistungsfreiheit im EU-Recht
verstoße und eine Lizenz aus Malta auch in Deutschland anzuerkennen
sei. Außerdem seien solche Klagen rechtsmissbräuchlich, weil Spieler
wissentlich Anbieter mit maltesischer Lizenz genutzt hätten. Der
Argumentation erteilte der EuGH eine Absage. EU-Recht stehe weder
nationalen Glücksspiel-Verboten noch Rückerstattungs-Klagen von
Verbraucherinnen und Verbrauchern entgegen. Ein maltesisches Gericht
hatte den Gerichtshof angefragt.

Laut Rechtsanwalt István Cocron, der zahlreiche Verfahren auf
Spielerseite betreut hat, ist das EuGH-Urteil die «erste große
Weichenstellung» für Rückforderungsverfahren. Bislang hätten deutsc
he
Gerichte entschieden, dass Verluste zurückzuzahlen seien, sofern im
Spielzeitraum keine deutsche Lizenz vorlag.

Wie viel Geld steckt im Online-Spielmarkt?

Mit Online-Sportwetten, virtuellen Automatenspielen und Online-Poker
wurden laut dem Tätigkeitsbericht der GGL für das Jahr 2024 fast zwei
Milliarden Euro Umsatz gemacht - Tendenz steigend. Der größte Teil
entfalle auf die Sportwetten (1,3 Milliarden Euro und damit zehn
Prozent mehr als im Vorjahr). Die Umsätze von Automatenspielen und
Poker im Internet (0,6 Milliarden) seien sogar um 38 Prozent
gestiegen, hieß es.

Wie groß ist der Schwarzmarkt?

Laut einer GGL-Studie liegt das Marktvolumen von unerlaubten
Online-Angeboten bei knapp 23 Prozent. Die Untersuchung geht davon
aus, dass hier mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr umgesetzt
werden. 

Die Glücksspielbehörde stellte ihrem Tätigkeitsbericht zufolge 2024
knapp 900 deutschsprachige Internetseiten mit Glücksspielen von
Veranstaltern ohne Erlaubnis fest.

Was macht den illegalen Bereich gefährlicher als den legalen?

Wichtig ist: Glücksspiel, egal ob legal oder illegal, kann abhängig
machen. Nach Angaben aus der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung ist Online-Glücksspiel im Vergleich zu anderen Formen mit
einem erhöhten Suchtrisiko verbunden, weil es rund um die Uhr immer
und überall verfügbar ist.

Bei illegalen Angeboten gibt es laut GGL noch mehr Risiken, weil sie
keiner staatlichen Aufsicht unterliegen. Beispielsweise bestehen
keine Einsatz- und Einzahlungslimits. Spielerinnen und Spieler sind
demnach auch nicht vor betrügerischen Praktiken geschützt. Wer
vorsätzlich an einem illegalen Spiel teilnimmt, kann sich zudem
strafbar machen.

Woran lassen sich illegale Angebote erkennen?

Wer unsicher ist, kann in der sogenannten Whitelist der GGL
nachschauen, ob ein Glücksspielanbieter zugelassen ist. Ansonsten
können etwa ein fehlender Hinweis auf eine deutsche Erlaubnis auf der
Homepage, kein oder ein unvollständiges Impressum, fehlende Angaben
zu Sitz und Betreiber oder die Verwendung ausländischer Domains oder
ungewöhnlicher Endungen (zum Beispiel .cc, .net, .bz, .io, .casino)
auf ein illegales Angebot hindeuten.