Sachsen will Exporte nach Indien und in EU-Länder verstärken

16.04.2026 17:36

Indien gilt für die sächsische Wirtschaft als interessanter
Exportmarkt. Deswegen will Sachsen künftig stärker mit einem
südindischen Bundesstaat zusammenarbeiten. Welche Länder noch im
Fokus stehen.

Chemnitz/Dresden (dpa/sn) - Rückgänge in den bisher wichtigsten
Exportmärkten USA, China und Großbritannien belasten Sachsens
Außenhandel. Um gegenzusteuern, will der Freistaat seine Beziehungen
zu anderen EU-Ländern ausbauen und setzt Hoffnungen auf Länder wie
Indien. Europa habe die erste Priorität, sagte Staatssekretär
Sebastian Scheel beim Außenwirtschaftstag in Chemnitz. «Europa first
heißt aber nicht Abschottung wie in Amerika.» Es gehe vielmehr darum,
den gemeinsamen Binnenmarkt zu stärken und Regulierungen abzubauen. 

Den Angaben zufolge summierten sich Sachsens Exporte voriges Jahr auf
50,6 Milliarden Euro. Das seien 1,1 Prozent weniger als 2024, aber
fast 26 Prozent mehr als vor der Corona-Pandemie. Aufgrund der
globalen Entwicklungen gingen die Ausfuhren in die USA (-6 Prozent),
China (-26) und Großbritannien (-1) zurück. Sie belegen bisher die
vordersten Plätze im Länderranking. Derweil nahm der Export in andere
EU-Länder um 5 Prozent zu. Auf sie entfallen mit 24,3 Milliarden Euro
fast die Hälfte der Ausfuhren Sachsens. 

Auto-Branche wichtige Stütze des Exports 

Sachsen sei ganz klar ein Exportland, betonte der Präsident der IHK
Chemnitz, Max Jankowsky. «Sächsische Produkte werden weltweit
nachgefragt.» Den Hauptanteil mache die Automobilbranche aus.
«Deswegen müssen wir um jeden Arbeitsplatz und um jeden Zulieferer
kämpfen.» Zudem müsse Deutschland wieder wettbewerbsfähiger werden.

Nachteilig seien im Wettbewerb mit anderen Ländern etwa die hohen
Lohn- und Energiekosten. 

Innerhalb der EU belasteten immer neue Auflagen den Warenaustausch
und erhöhten die Bürokratiekosten, erklärte der Präsident der
Handwerkskammer Chemnitz, Frank Wagner. Als Beispiel nannte er eine
neue Verpackungsverordnung, wonach sich Unternehmen für Lieferungen
in ein anderes EU-Land speziell registrieren lassen müssen. Das gelte
selbst für kleine Mengen wie den Versand eines Schwibbogens,
kritisierte Wagner. Landesregierung und Kammern wollen daher in
Brüssel verstärkt Druck machen, solche Regulierungen «auf ein
gesundes Maß zurückzuführen», hieß es. 

Hoffnungen auf mehr Handel mit Indien 

Schub für den Außenhandel erhofft sich die hiesige Wirtschaft von
neuen Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten und Indien.
«Das wird zu einem drastischen Zollabbau führen», sagte der
Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen, Thomas Horn.
Aktuell liege Indien auf Platz 31 bei den Exporten. «Wir werden
sehen, dass das deutlich nach vorn gehen wird.» Gute Chancen gebe es
etwa für die Fahrzeug- und Textilindustrie sowie den Maschinenbau. 

Indien gewinne für die Wirtschaft im Freistaat angesichts
geopolitischer Unsicherheiten und Handelskonflikte an Bedeutung,
erklärte das Wirtschaftsministerium. Deswegen wollen Sachsen und der
südindische Bundesstaat Tamil Nadu in Zukunft wirtschaftlich und bei
der Gewinnung von Fachkräften stärker zusammenarbeiten. In Dresden
wurde dazu den Angaben zufolge eine Absichtserklärung unterzeichnet.
Mit der neuen Vereinbarung soll die Beziehung zu Tamil Nadu
ausgeweitet werden.