Saarland: Strompreis-Entlastung reicht nicht
16.04.2026 18:38
Die EU-Kommission erlaubt Deutschland, energieintensive Industrie mit
vergünstigtem Strompreis zu unterstützen. Im globalen Wettbewerb
reichen die Entlastungen aus Sicht des Saarlandes nicht aus.
Saarbrücken/Brüssel (dpa/lrs) - Die saarländische Landesregierung
begrüßt das grüne Licht aus Brüssel für einen vergünstigten
Strompreis für die Industrie. «Die Entscheidung der EU-Kommission ist
ein wichtiges und längst überfälliges Signal für den
Industriestandort Deutschland», erklärte Ministerpräsidentin Anke
Rehlinger (SPD). Energieintensive und außenhandelsabhängige Betriebe
würden gezielt entlastet - sie stünden seit Jahren unter enormem
Druck durch die immer weiter steigenden Energiepreise. «Das Saarland
als Industriestandort ist davon besonders betroffen», so Rehlinger.
Die zu erwartende Entlastung falle allerdings vergleichsweise gering
aus. «Wenn energieintensive und außenhandelsabhängige Branchen am
Ende nur mit einer Entlastung von rund einem Cent pro Kilowattstunde
rechnen können, wird das im internationalen Wettbewerb nicht
genügen», erklärte die SPD-Politikerin. «Unsere Stahl- und
Industriebetriebe brauchen wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Dabei
geht es um nicht weniger als die Zukunft unserer industriellen
Wertschöpfung und um viele tausend Arbeitsplätze im Land.» Nötig
seien daher dauerhaft und strukturell niedrigere Energiepreise sowie
ein konsequenter Ausbau erneuerbarer Energien.
«Erster Schritt in die richtige Richtung»
Auch der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) sprach
von einem «ersten Schritt in die richtige Richtung». Für den Erhalt
der Grundstoffindustrie in Deutschland brauche es jedoch mehr.
«Entscheidend ist eine flexible und unbürokratische Ausgestaltung,
die es ermöglicht, verschiedene Entlastungsmaßnahmen miteinander zu
kombinieren.»
Zuvor hatte die EU-Kommission mitgeteilt, dass der Bundesregierung
erlaubt werde, die Industrie mit einem vergünstigten Strompreis zu
unterstützen, und zwar in einem Umfang von 3,8 Milliarden Euro. Laut
Bundeswirtschaftsministerium ist die Unterstützung für rund 9.500
strom- und handelsintensive Unternehmen aus besonders
energiehungrigen Branchen wie Chemie, Gummi- und Kunststoffwaren,
Glas, Zement und Halbleiterfertigung gedacht. Sie sollen so viel
Förderung erhalten, dass sie am Ende noch 5 Cent pro Kilowattstunde
zahlen - gemessen am Großhandelsstrompreis. Weitere Bereiche sollen
möglicherweise später noch in die Förderung einbezogen werden.
