Studie: Ostdeutschland profitiert stärker von EU-Förderung
21.04.2026 12:43
Fast zwei Drittel der EU-Strukturfördermittel flossen zwischen 2014
und 2020 nach Ostdeutschland. Wohin das Geld vor allem ging.
Dresden (dpa) - Der Osten Deutschlands hat in den vergangenen Jahren
deutlich stärker von EU-Strukturfördermitteln profitiert als der
Westen. Wie aus einer Studie des ifo-Instituts für
Wirtschaftsforschung in Dresden hervorgeht, sind fast zwei Drittel
der insgesamt 21 Milliarden Euro an Mitteln aus dem Europäischen
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen
Sozialfonds (ESF), die in den Jahren 2014 bis 2020 nach Deutschland
geflossen sind, nach Ostdeutschland gegangen.
In der Region lebt zugleich rund ein Fünftel der deutschen
Bevölkerung, heißt es weiter. Die damit angestoßenen
Gesamtinvestitionen lagen im Schnitt bei 707 Euro je Einwohner in
Ostdeutschland, in Westdeutschland bei 153 Euro.
Schwerpunkt der EU-Förderung lag auf Hochschulstandorten
Nach Ansicht von Joachim Ragnitz, Vizechef des Dresdner
Ifo-Instituts, hat die EU-Förderung die strukturschwachen Regionen
Deutschlands spürbar gestärkt. «Unsere Berechnungen zeigen, dass ein
Euro EU-Förderung langfristig zu zwei Euro zusätzlichem
Bruttoinlandsprodukt (BIP) führt», sagte der Wirtschaftsexperte.
Besonders wirksam seien Ausgaben für Forschung, Wissenstransfer und
Innovation. Nach den Berechnungen des ifo-Instituts lag der Anteil
der mit EU-Mitteln in Ostdeutschland kofinanzierten Projekte am BIP
bei rund 0,23 Prozent.
Die Förderung konzentrierte sich den Forschern zufolge im Osten
besonders auf wirtschaftsstärkere Städte, die im Ost-West-Vergleich
noch deutliche Rückstände zu westdeutschen Zentren haben. Rund 39
Prozent der EFRE-Investitionen gingen laut Studie in Forschung und
Innovation. Hier wurden Dutzende Projekte an ostdeutschen Hochschulen
gestärkt - etwa der Technischen Universität Ilmenau, der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg oder der Technischen
Universität Dresden.
Insgesamt zielten 66 Prozent aller EFRE-Mittel direkt auf Wachstum
und Beschäftigung ab, heißt es im Fazit der Studie. Das Geld sei vor
allem für öffentliche Investitionen verwendet worden - etwa für
Infrastruktur oder die direkte Förderung kleinerer Unternehmen.
Angesichts der laufenden Verhandlungen über den EU-Finanzrahmen 2028
bis 2034 warnte Ragnitz vor einer Kürzung der Gelder. «Eine
Einschränkung der EU-Förderung könnte gravierende negative Wirkungen
haben», sagte er mit Blick auf die angespannte Finanzlage vieler
ostdeutscher Länder und Kommunen.
