EU-Kommissar: Keine großflächigen Flugabsagen zu erwarten
21.04.2026 16:38
Sorgen um den Sommerurlaub müssen sich Europäer nach Darstellung des
zuständigen Verkehrskommissars nicht machen. Anzeichen für
Kerosin-Engpässe sieht er nicht - und Fluggäste bei Ausfällen
geschützt.
Brüssel (dpa) - In der Europäischen Union gibt es laut
Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas keinen Hinweis auf
großflächige Flugstornierungen in den nächsten Monaten. «Die
Treibstoffvorräte für kommerzielle Flugzeuge stehen in Teilen Europas
unter Druck», räumte Tzitzikostas nach einer Videokonferenz mit
Verkehrsministern der EU-Staaten ein. Man verfolge die Situation eng.
«Zum jetzigen Zeitpunkt kommt der Markt jedoch mit dem Druck zurecht,
und es gibt keine Anzeichen für tatsächliche Engpässe.»
Manche Unternehmen hätten nicht mehr rentable Flüge gestrichen - aber
nicht aus Mangel an Kerosin, sondern wegen der hohen
Treibstoffpreise. «Und wir haben zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei
Anzeichen dafür, dass es in den kommenden Wochen oder Monaten zu weit
verbreiteten Flugausfällen kommen wird.»
Von der Internationalen Energieagentur (IEA) hatte es dagegen am
Wochenende geheißen, mehrere europäische Länder könnten wegen der
Lage in der Straße von Hormus in den kommenden sechs Wochen «einer
beginnenden Knappheit von Kerosin gegenüberstehen».
Lager sollen überwacht werden
Falls nötig, könne und werde Europa Notfallvorräte freigeben, sagte
der Kommissar. Bislang sei dies aber nicht der Fall. Am Mittwoch will
die EU-Kommission verschiedene Maßnahmen und Vorhaben für die
kommenden Wochen und Monate präsentieren. Tzitzikostas kündigte an,
es werde die Einrichtung einer neuen Treibstoffbeobachtungsstelle
bekanntgegeben, die die Versorgung und die Lagerbestände von
Transportkraftstoffen überwachen werde.
Die Brüsseler Behörde prüfe zudem, ob es nötig sein könnte, dass
Mitgliedstaaten einen Notfallvorrat an Kerosin vorhalten und arbeite
außerdem daran, «eine alternative Kerosinversorgung für Europa
sicherzustellen, beispielsweise Kerosin des Typs A» aus den USA.
Die EU-Kommission arbeite zudem an Erklärungen zu bereits
existierenden Flexibilitäten für Fluglinien, unter anderem zu
Flughafen-Slots und Passagierrechten, sagte Tzitzikostas. Slots sind
Zeitfenster zum Starten und Landen, die eine Fluggesellschaft an
beliebten Flughäfen nutzen muss, um sie zu behalten. Falls die
Möglichkeiten bei einer Verschlechterung der Situation im Nahen Osten
nicht mehr ausreichend seien, werde die Kommission auch
vorübergehende Erleichterungen für Airlines vorschlagen.
Fluggäste haben Rechte
Tzitzikostas sprach auch über Verbraucherrechte. Bei Flugausfällen in
der EU haben Passagiere grundsätzlich Anspruch auf eine finanzielle
Entschädigung. Bei außergewöhnlichen Umständen sind Fluglinien von
dieser Pflicht befreit. Aus Sicht der Kommission seien
Flugstreichungen wegen hoher Kerosinpreise «nicht unbedingt»
außergewöhnliche Umstände, sagte Tzitzikostas. Anders sei es wohl bei
Flugstörungen wegen Treibstoffmangels, sagte er.
Der Luftfahrtverband Airlines for Europe (A4E) hatte kürzlich
rechtliche Klarheit und Sicherheit bei bestehender Gesetzgebung
gefordert, etwa hinsichtlich der sogenannten Slots. Der Verband
sprach sich unter anderem dafür aus, dass die wegen der
Luftraumsperrungen infolge des Konflikts nicht wahrgenommenen Slots
nicht als ungenutzt gelten. Weiterhin brachte der Verband
Vorschriften zur Mindestbevorratung von Flugtreibstoff und einen
gemeinsamen Kerosineinkauf auf EU-Ebene ins Spiel.
