Selenskyj verkündet Reparatur der «Druschba»-Pipeline
21.04.2026 19:11
Fast drei Monate floss nach einem russischen Drohnenangriff kein
Erdöl von Russland über die Ukraine in die EU-Staaten Slowakei und
Ungarn. Nun schließt Kiew vor EU-Beratungen die Reparaturen ab.
Kiew (dpa) - Kurz vor Beratungen über ein weiteres Darlehen für die
Ukraine hat Kiew die Reparatur der Erdölleitung «Druschba»
(Freundschaft) aus Russland in die Europäische Union verkündet. «Die
Ölpipeline kann ihren Betrieb wieder aufnehmen», schrieb Präsident
Wolodymyr Selenskyj bei Telegram. Kiew erwarte nun die Freigabe von
blockierten EU-Mitteln von 90 Milliarden Euro als
Unterstützungspaket.
Selenskyj telefonierte nach eigenen Angaben mit
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident
António Costa und betonte, dass die Ukraine alle Forderungen erfüllt
habe und nun dringend das Geld brauche. «Diese Mittel werden nicht
nur die Ukraine, sondern ganz Europa stärken», sagte er. Das Land
will den Großteil des Geldes für den Abwehrkampf gegen den russischen
Angriffskrieg nutzen.
Costa dankte Selenskyj auf der Plattform X für die Reparatur der
Leitung. Selenskyj erklärte in seiner Mitteilung an die EU auch,
niemand könne garantieren, «dass sich russische Angriffe auf die
Infrastruktur der Ölpipeline nicht wiederholen werden». Trotzdem
hätten die Fachleute nun die Voraussetzungen für die
Wiederinbetriebnahme des Pipelinesystems und der Anlagen geschaffen.
Selenskyj fordert neue Sanktionen gegen Russland
Ende Januar hatte eine russische Drohne im westukrainischen Brody
nach ukrainischen Angaben Anlagen der Pipeline beschädigt.
Infolgedessen wurde der Transit russischen Erdöls über die Ukraine in
die Slowakei und Ungarn unterbrochen. Die beiden Nachbarstaaten der
Ukraine bezweifelten die Darstellung von Kiew zu den Schäden an der
Erdölleitung und forderten eine unabhängige Inspektion. Beide Länder
stellten ihre Diesellieferungen an die Ukraine ein.
Budapest blockierte außerdem die Zahlung der ersten Tranche des im
Dezember zugesagten EU-Kredits von insgesamt 90 Milliarden Euro.
Ungarn hatte allerdings angekündigt, sein Veto zurückzuziehen, wenn
es wieder russisches Öl über die in der Ukraine beschädigte
«Druschba»-Pipeline bekomme. Am Mittwoch könnte die EU eine
Entscheidung über ein weiteres Unterstützungsdarlehen für die Ukraine
treffen.
Selenskyj hatte erklärt, dass russisches Öl, mit dem Moskau seinen
Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert, gar nichts mehr auf dem
europäischen Markt zu suchen habe. Er forderte nun erneut eine
Verschärfung der Sanktionen, um den Druck auf das Land zu erhöhen und
die das fünfte Jahr andauernde Invasion zu beenden.
