EU-Kommissar wirbt für europäische Rüstungsprojekte

21.04.2026 18:32

Es sieht schlecht aus für das geplante Luftkampfsystem von Paris und
Berlin, FCAS. Der Verteidigungskommissar der EU, Andrius Kubilius,
fordert Konsequenzen.

Brüssel (dpa) - EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius wirbt
angesichts des drohenden Scheiterns des europäischen Luftkampfsystems
FCAS für mehr gesamteuropäische Rüstungsprojekte. Es brauche neue
Instrumente, damit solch wichtigen Projekte viel erfolgreicher
würden, sagte Kubilius im Interview des enr-Netzwerks, zu dem auch
die Deutsche Presse-Agentur gehört. Die europäische
Verteidigungsindustrie sei bislang stark fragmentiert, da die
Verteidigungspolitik Zuständigkeit der Mitgliedstaaten sei. 

FCAS steht für «Future Combat Air System» und wäre bei einer
Realisierung das größte und teuerste europäische Rüstungsprojekt. D
ie
Gesamtkosten werden auf einen dreistelligen Milliardenbetrag
geschätzt. Deutschland, Frankreich und Spanien haben seit Monaten um
eine Realisierung des Projekts gerungen. Als Kernproblem hatte
Bundeskanzler Friedrich Merz im Februar genannt, dass die Franzosen
ein anderes Kampfflugzeug brauchen als die Bundeswehr. Das
Luftkampfsystem soll im Verbund mit unbewaffneten und bewaffneten
Drohnen fliegen und wäre insofern mehr als ein Kampfflugzeug. 

Kubilius sagte, er wolle niemandem die Schuld «für das Scheitern von
FCAS» geben. Der litauische Politiker verwies mit Blick auf
europäische Projekte auf Vorschläge mehrerer Mitgliedstaaten etwa im
Bereich Luftverteidigung. In der Raumfahrt, für die er als Kommissar
ebenfalls zuständig ist, seien gemeinsame Projekte wie das
Navigationssystem Galileo und das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus
bereits erfolgreich.