Wirt beantragt EU-weite Ausschreibung für zwei Wiesn-Zelte
22.04.2026 14:12
In München sorgt die Forderung eines Wirts für Furore: Die
Oktoberfest-Zelte sollen europaweit ausgeschrieben werden. Was könnte
das für Tradition und Brauchtum auf der Wiesn bedeuten?
München (dpa) - Ein Münchner Wirt greift die Vergabe der großen
Oktoberfest-Zelte an - und stellt damit erstmals die bisherige Praxis
grundsätzlich infrage. Der Gastronom will erreichen, dass sich die
Stadt München bei der Zuteilung zweier zentraler Festzelte künftig
nach europäischem Vergaberecht richten muss. Das würde eine EU-weite
Ausschreibung der Standplätze für die beiden Zelte - das
traditionelle Anzapfzelt Schottenhamel und das Paulaner-Festzelt -
bedeuten, wie die Regierung von Oberbayern mitteilte. Die
Mediengruppe «Münchner Merkur/tz» hatte darüber berichtet.
Die Frage, ob die Zeltvergabe unter das Gesetz gegen
Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) fällt, muss nun die Vergabekammer
Südbayern klären. Dort ging vergangene Woche der Antrag auf
vergaberechtliche Nachprüfung der WE Gutshof GmbH ein, deren
Geschäftsführer der Wirt Alexander Egger ist. Er selbst war zunächst
nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Keine unmittelbare Rechtswirkung für andere Zelte und Feste
Eine Entscheidung soll laut Regierung von Oberbayern gemäß den
gesetzlichen Vorgaben binnen fünf Wochen ergehen. Wie es auch immer
ausgeht: «Für andere Standplätze auf dem Oktoberfest oder für ander
e
Volksfeste hat eine Entscheidung der Vergabekammer keine
unmittelbaren Rechtswirkungen», erläuterte die Regierung von
Oberbayern. Die Stadt München vergibt die Zelte bisher nach einem
Punktesystem, das gelegentlich kritisiert und von der Stadt immer
wieder angepasst wurde.
Die Sprecher der großen Wiesnwirte, Peter Inselkammer und Christian
Schottenhamel, warnten im Fall einer EU-weiten Ausschreibung vor
einem Verlust von Tradition. Das Oktoberfest sei in seiner mehr als
200-jährigen Geschichte zu einem einzigartigen und schützenswerten
Kulturgut geworden. Das dürfe nicht persönlichen Interessen geopfert
werden.
«Die Vergabepraxis hat sich seit Jahrzehnten bewährt und ist ein
Garant dafür, dass die Wiesn nach wie vor ein Ort ist, an dem unser
bayerisches Brauchtum gepflegt und unsere Traditionen hochgehalten
werden», sagte Schottenhamel, dessen Zelt von dem Antrag direkt
betroffen ist. In dem ältesten Wiesnzelt, seit 1867 in Händen der
Familie Schottenhamel, wird das Volksfest traditionell vom
Oberbürgermeister mit dem Anzapfritual eröffnet.
Egger und seine Frau betreiben seit Jahren ein kleines Zelt auf der
Wiesn. Das Ehepaar hatte sich im Januar für das Paulaner-Zelt oder
die Bräurosl beworben, beides große Zelte.
