EU-Kommission: RTL darf Sky kaufen

22.04.2026 19:26

Mit der Übernahme von Sky will RTL sein digitales Abo-Geschäft
stärken und unabhängiger vom klassischen Werbemarkt werden. Was sich
für Nutzer ändern könnte.

Brüssel/Köln (dpa) - Die RTL Group darf Sky Deutschland übernehmen.
Gut zehn Monate nach der Ankündigung des Übernahmeplans hat die
EU-Kommission uneingeschränkt grünes Licht für das Geschäft gegeben

Die EU-Kommission prüft bei Fusionen und Übernahmen großer
Unternehmen im Europäischen Wirtschaftsraum regelmäßig, ob
wettbewerbsrechtliche Bedenken bestehen. Im Fall von RTL und Sky
stellte die Behörde «nach sorgfältiger Prüfung» fest, dass die
Transaktion den Wettbewerb «nicht erheblich verringern würde» und
genehmigte sie ohne Auflagen. 

«Die Transaktion ermöglicht es etablierten europäischen
Mediengruppen, ihre Position in einer Zeit des Branchenwandels zu
festigen, in der sie zunehmend unter Druck von globalen
Streaming-Plattformen stehen», teilte EU-Wettbewerbskommissarin
Teresa Ribera mit. Durch die Bündelung ihrer Kompetenzen seien RTL
und Sky besser gerüstet, um in diesem sich rasant verändernden Markt
wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Abschluss der Transaktion wird für den 1. Juni 2026 erwartet, wie
Bertelsmann mitteilte. RTL-Deutschland-Chef Stephan Schmitter soll
das kombinierte Unternehmen nach Abschluss der Transaktion führen.
Man erwarte Synergien von jährlich rund 250 Millionen Euro.

RTL will sein Abonnementgeschäft ausbauen

Im Juni 2025 hatte die RTL Group ihre Pläne zur Übernahme von Sky
Deutschland vorgestellt. Ziel des Zusammenschlusses ist es, die
Marktposition im deutschen Streaming- und TV-Geschäft gegenüber
großen US-Anbietern zu stärken. Durch die Integration von Sky will
RTL außerdem sein Abonnementgeschäft ausbauen und unabhängiger vom
klassischen TV-Werbemarkt werden, der weiter unter Druck steht.

Die RTL Group setzt zunehmend auf digitale Abo-Modelle, um den
Rückgang klassischer Werbeerlöse im linearen Fernsehen auszugleichen.
Dazu wurde auch das Angebot von RTL+ weiterentwickelt - etwa durch
neue Bündelangebote wie die Kooperation mit HBO Max, die über die
Vermarktungstochter AdAlliance vertrieben wird. Der zu Bertelsmann
gehörende Konzern will so seine Position als führender Anbieter in
der deutschsprachigen Medienlandschaft festigen.

Sky Deutschland wird künftig Teil von RTL Deutschland. Zu Sky
Deutschland gehören neben klassischen Fernsehsendern auch der
Streamingdienst Wow.

Sky Deutschland zählt bislang zum US-Medienkonzern Comcast. Der
Kaufpreis beträgt rund 150 Millionen Euro in bar, hinzu kommt eine
variable Komponente, die an den Aktienkurs der RTL Group gekoppelt
ist. Je nach Kursentwicklung könnten für RTL noch bis zu 377
Millionen Euro zusätzlich fällig werden. Mit der Übernahme vereint
die börsennotierte RTL Group im deutschsprachigen Raum ein breites
Portfolio aus frei empfangbaren TV-Sendern, Bezahlsendern und
Streaming-Portalen - ergänzt um Zeitschriften und Audioangebote.

Die wechselvolle Geschichte von Sky 

Der Jahresumsatz von Sky Deutschland lag zuletzt bei rund 2
Milliarden Euro, der der RTL Group bei rund 6 Milliarden Euro. Das
Unternehmen hatte zuletzt mit einer schwachen Werbekonjunktur und
sinkenden Produktionserlösen zu kämpfen. Auch ein Stellenabbau
gehörte zu den Folgen.

Sky blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Der Sender ging
aus dem einstigen Kirch-Unternehmen Premiere hervor, das lange Zeit
die Fußball-Bundesliga exklusiv im Pay-TV zeigte, wirtschaftlich aber
nie dauerhaft profitabel war. 2018 übernahm schließlich Comcast den
Bezahlsender.

Seit Gründung des Bezahlsenders liegt der Schwerpunkt auf
Sportübertragungen, vor allem Fußball. Ergänzt wird das Angebot um
Filme und Serien. Eigene Serienproduktionen wie «Babylon Berlin» oder
«Der Pass» hatte das Unternehmen zuletzt eingestellt. 

RTL und Sky kooperierten bereits häufiger bei Rechten

Intern gelten rund 80 Prozent der Abonnenten als Sport-Kunden. Die
wichtigsten Sportrechte von Sky sind die Freitags- und Samstagsspiele
der Fußball-Bundesliga sowie die gesamte 2. Bundesliga. Zu den
wichtigen Rechten gehören außerdem die englische Premier League, die
Formel 1 und Tennis.

RTL und Sky haben in den vergangenen Jahren häufiger Rechte
ausgetauscht. So durfte RTL zuletzt sieben Rennen der Formel 1 im
Free-TV zeigen. Für die laufende Saison der wichtigsten
Motorsport-Serie gab es bisher keine Einigung zwischen den beiden
Sendern. Nach dem Kauf wird mit einer zügigen Klärung gerechnet.

Die Brüsseler Wettbewerbshüter hatten insbesondere die Auswirkungen
der Transaktion auf vier Märkte untersucht: das Angebot und den
Erwerb von audiovisuellen Inhalten, den Großhandel mit Fernsehkanälen
und audiovisuellen Dienstleistungen, den Einzelhandel mit
audiovisuellen Dienstleistungen an Endkunden und das Angebot von
Werbeflächen in audiovisuellen Inhalten. In keinem der Bereiche
hatten sie Bedenken. Sie stellten unter anderem fest, dass die beiden
Sender bisher sowohl im Sport- als auch Unterhaltungsbereich
unterschiedliche Schwerpunkte haben und daher keine engen
Wettbewerber beim Erwerb audiovisueller Inhalte sind.