Tesla sieht baldige EU-Zulassung für neues Assistenzsystem Von Andrej Sokolow, dpa
23.04.2026 03:18
Auch in Deutschland dürften Tesla-Fahrer bald die Steuerung
weitgehend dem Auto überlassen können, während sie weiter die
Verantwortung tragen. In den USA beginnt der Bau von Robotaxis und
Robotern.
Austin (dpa) - Der Elektroautobauer Tesla rechnet damit, dass sein
fortgeschrittenes Fahrassistenzsystem, das Fahrern weitgehend die
Steuerung abnehmen soll, in den kommenden Monaten in der ganzen EU
zugelassen wird. Man sei nach der Genehmigung in den Niederlanden gut
für eine EU-weite Zulassung im laufenden Quartal aufgestellt, sagte
Finanzchef Vaibhav Taneja nach der Vorlage von Quartalszahlen.
Fahrer in den USA können die Software mit dem vollen Namen «Full
Self-Driving (Überwacht)» bereits seit einigen Jahren nutzen. Tesla
musste dem ursprünglichen Namen Full Self-Driving (übersetzt etwa:
komplett selbstfahrend) den einschränkenden Zusatz hinzufügen, weil
die Software eben noch nicht autonom fahren kann und die Fahrer
weiter die Verantwortung tragen. Vor allem in der Anfangszeit
berichteten sie noch von vielen Fehlern, inzwischen verweist
Firmenchef Elon Musk auf weitreichende Verbesserungen. Tesla hat
aktuell 1,28 Millionen Abo-Kunden für FSD - 180.000 mehr als vor drei
Monaten.
Jahrelange Versprechen
Musk kündigt auch bereits seit rund einem Jahrzehnt an, dass
Serien-Teslas mit FSD tatsächlich autonom fahren werden. Nun
«schätzte» er, dass diese unüberwachte FSD-Version in den USA
«wahrscheinlich im vierten Quartal» eingeführt werde. Zugleich
schränkte Musk ein, dass Tesla die Software nur schrittweise
verfügbar machen werde, wenn man sie für eine bestimmte Region für
sicher befinde. Wagen mit älteren Computern, die auch schon als
FSD-fähig verkauft wurden, werde Tesla in «Minifabriken» umrüsten
müssen, sagte Musk.
Robotaxis und Roboter
Musk behauptet, dass die Zukunft von Tesla in selbstfahrenden
Robotaxis und humanoiden Robotern anstelle des Autoverkaufs liegen
werde. Derzeit startet Tesla die Produktion seines Robotaxi-Fahrzeugs
mit dem Namen Cybercab. Es ist ein Zweisitzer, der ohne Lenkrad und
Pedale auskommen soll. Da «90 Prozent der Meilen» mit einer oder zwei
Personen im Auto gefahren würden, werde der Cybercab auf lange Sicht
wahrscheinlich den Großteil der Tesla-Produktion ausmachen, sagte
Musk.
In diesem Jahr will Tesla auch die Produktion seiner humanoiden
Roboter mit dem Namen Optimus starten. Der Konzern stellt seine
größeren Automodelle S und X ein - und auf der dadurch frei werdenden
Fläche im kalifornischen Fremont will Tesla stattdessen mit der Zeit
eine Million Roboter pro Jahr bauen. Musk betonte allerdings, dass
die Produktion nur langsam anlaufen werde, da es eine neue Technik
sei.
Starke Konkurrenz
Tesla will sowohl bei Robotern als auch bei Robotaxis in Märkte
vorstoßen, in denen es bereits starke Konkurrenten gibt. Vor allem
bei selbstfahrenden Autos ist die Google-Schwesterfirma Waymo mit
ihren Robotaxis weit voraus. Waymo sei etwa 50 Mal größer, betonte
etwa der langjährige Tech-Analyst und Investor Gene Munster. Musk
setzt unter anderem auf einen Kostenvorteil, weil er nur mit Kameras
und ohne die teureren Laser-Radare auskommen will, die die Umgebung
von Fahrzeugen abtasten. Allerdings zweifeln viele Experten und
Konkurrenten an, dass damit verlässliches autonomes Fahren möglich
ist.
Wieder besseres Geschäft nach Rückgängen
Die Zukunftsvisionen von Musk sind teuer. Tesla erhöhte die Prognose
für die Kapitalausgaben in diesem Jahr auf 25 Milliarden Dollar - von
den erst vor drei Monaten vorhergesagten 20 Milliarden Dollar.
Finanzieren muss Tesla das vor allem aus dem Geschäft mit dem
Autoverkauf - und das läuft nach den Absatzrückgängen im vergangenen
Jahr wieder besser. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um 16
Prozent auf 22,39 Milliarden Dollar. Der Gewinn wuchs um 17 Prozent
auf 477 Millionen Dollar. Die weltweiten Tesla-Auslieferungen
kletterten im Jahresvergleich um 6,3 Prozent auf 358.023 Fahrzeuge.
Im Vorjahresquartal waren die Auslieferungen noch um 13 Prozent
gefallen.
Der Elektroauto-Vorreiter hat seine europäische Fabrik in Grünheide
bei Berlin, wo der Bestseller Model Y gebaut wird. Dort gab es im
ersten Quartal laut Taneja die bisher höchste Produktion von mehr als
61.000 Fahrzeugen. Das Werk ist aktuell auf eine Kapazität von mehr
als 375.000 Wagen jährlich ausgelegt.
