Darum will Capri-Sun zurück zum Plastikstrohhalm Von Stefanie Järkel, dpa

27.04.2026 04:00

Seit 2024 kämpft das Unternehmen mit Standort in Eppelheim dafür, den
Papier- wieder gegen einen Plastikstrohhalm auszutauschen. Eine
Petition dafür ist gescheitert. Doch Capri-Sun gibt nicht auf.

Eppelheim (dpa) - Eine Million Unterschriften wollte der
Trinkbeutel-Hersteller Capri-Sun aus Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis)
mit einer Online-Petition sammeln. Das Ziel: die Rückkehr zum
Plastikstrohhalm mit der entsprechenden Genehmigung durch die EU.
Eineinhalb Jahre nach dem Start der Aktion zeigt sich allerdings, das
Interesse der Verbraucher hält sich in Grenzen. Weniger als 169.000
Unterschriften registrierte die Plattform Change.org, wie kürzlich
auch der SWR berichtete. «Die Petition wird aktuell nicht weiter
aktiv durch uns beworben», teilte das Unternehmen mit. Doch Capri-Sun
verfolge sein Ziel weiter. Umwelt- und Verbraucherschützer schlagen
Alarm.

Wegen eines Verbots der Europäischen Union (EU) von
Einwegplastikprodukten verwendet Capri-Sun seit 2021 Papierstrohhalme
an seinem klassischen Trinkbeutel. Seither gibt es demnach Kritik von
Verbrauchern: Der Papierstrohhalm lasse sich schlechter einstecken,
werde weich und führe zu einem Papiergeschmack beim Trinken, hieß es
bereits in der Vergangenheit. Das Unternehmen hat nach eigenen
Angaben den Papierstrohhalm deswegen bereits mehrfach überarbeitet.

Capri-Sun will Trinkhalme aus Polypropylen

Es bestehe ein «konstruktiver Austausch» mit der Europäischen
Kommission, teilte das Unternehmen nun mit. Während die EU 2019
Einwegplastikprodukte wie Trinkhalme verboten habe, wolle sie mit der
neuen EU-Verpackungsverordnung die Recyclingfähigkeit von
Verpackungen erhöhen, kritisiert Capri-Sun. Das Unternehmen will
demnach den Strohhalm aus dem gleichen Material herstellen wie den
Trinkbeutel: dem Kunststoff Polypropylen. Damit könne das ganze
Produkt besser recycelt werden, argumentiert Capri-Sun.

Einen eindeutig auf den Papierstrohhalm zurückzuführenden
Absatzrückgang beim 200-Milliliter-Trinkbeutel konnte Capri-Sun nach
eigenen Angaben allerdings nicht feststellen. Capri-Sun produziert in
Eppelheim bei Heidelberg. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Zug
in der Schweiz - wo das EU-Verbot von Einwegkunststoffprodukten nicht
gilt.

Umwelthilfe spricht von «Armutszeugnis»

Umwelt- und Verbraucherschützer kritisieren die Pläne von Capri-Sun.
«Der anhaltende Kampf von Capri Sun für Einweg-Plastikstrohhalme ist
aus Umweltsicht nicht nachvollziehbar und ein Armutszeugnis», sagte
Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe. «Die kleinen
Trinkbeutel sind vor allem für den Konsum unterwegs konzipiert und
landen entsprechend oft in der Umwelt.» Jedes zusätzliche
Plastikelement verbleibe viele Jahre in der Umwelt und zersetze sich
nach und nach zu Mikroplastik, welches sich in Nahrungsketten und
Organismen anreichere, sagte Wohlgemuth.

Auch die Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg sieht die
«erhebliche Gefahr», dass solche Trinkbeutel nicht vollständig im
Gelben Sack landen. «Im Hinblick auf Ressourcenschonung und
Umweltschutz halten wir diese Verpackungsgestaltung für nicht mehr
zeitgemäß», teilte eine Referentin mit. «Stattdessen sollte Capri-S
un
mit gutem Beispiel vorangehen und auf nachhaltige Mehrweglösungen
umsteigen - ganz ohne Trinkhalm.»

EU-Kommission verweist auf die Vermüllung von Einwegplastik

Die EU-Kommission bestätigte den Austausch mit Vertretern von
Capri-Sun und verwies auf eine Überprüfung des Verbots bis zum
kommenden Jahr. Allerdings betonte eine Pressesprecherin, die
EU-Kommission habe sich vor Einführung des Verbots von
Einwegplastikprodukten intensiv mit verschiedenen Interessengruppen
beraten. Dabei habe sich eine grundlegende Anerkennung der
«Plastikverschmutzungskrise» gezeigt sowie Unterstützung dafür, das

Thema Vermüllung durch Einwegplastik anzugehen.