Merz sieht weiter keine Exit-Strategie im Iran-Krieg
27.04.2026 12:19
Bundeskanzler Merz glaubt nicht an ein schnelles Ende des Kriegs im
Iran. Vor allem vermisst er weiterhin ein Konzept der USA für die
Friedensverhandlungen.
Marsberg (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) glaubt nicht,
dass die USA den Krieg im Iran schnell beenden können. «Weil die
Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner
offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende
Strategie haben», sagte Merz bei einer Diskussion mit Schülern in
Marsberg im Sauerland.
«Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Da muss man ja nicht
nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz
schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im
Irak gesehen.»
Die Amerikaner seien im Iran «ganz offensichtlich ohne jede Strategie
in diesen Krieg gegangen», kritisierte Merz. Deshalb sei es umso
schwerer, den Konflikt nun wieder zu beenden. «Zumal die Iraner
offensichtlich sehr geschickt verhandeln - oder eben sehr geschickt
nicht verhandeln», sagte Merz. «Da wird eine ganze Nation gedemütigt
durch die iranische Staatsführung.»
«Ziemlich vertrackte Lage»
«Es ist im Augenblick eine ziemlich vertrackte Lage», sagte der
Bundeskanzler. «Und es kostet uns sehr viel Geld. Dieser Konflikt,
dieser Krieg gegen den Iran hat unmittelbare Auswirkungen auf unsere
Wirtschaftsleistung.»
Deutschland halte sein Angebot aufrecht, mit Minensuchbooten dafür zu
sorgen, dass die Straße von Hormus, die zentral für die globale
Ölversorgung ist, wieder geöffnet werden könne. Voraussetzung dafür
sei aber, dass die Kampfhandlungen vorher enden.
Der Besuch des Bundeskanzlers am Carolus-Magnus-Gymnasium in Marsberg
war Teil des EU-Projekttags, bei dem Schulen bundesweit Aktionen rund
um die Europäische Union veranstaltet haben. Der Projekttag wurde
2007 von der damaligen deutschen EU-Ratspräsidentschaft ins Leben
gerufen. Ein wichtiger Bestandteil ist seit Jahren, dass Politiker
Schulen besuchen, um den Jugendlichen die Europapolitik
näherzubringen.
