Pflanzenschutz-Infos zu bürokratisch? EU-Kommissar zu Regeln
27.04.2026 19:27
Landwirte müssen seit Januar mehr Angaben zu Pflanzenschutzmitteln
machen. Zu viel Bürokratie, sagt Minister Rainer - und bekommt
Unterstützung. Der EU-Kommissar stellt klar.
Luxemburg (dpa) - EU-Agrarkommissar Christophe Hansen hat nach
deutscher Bürokratie-Kritik die Regeln zur Dokumentation im
Pflanzenschutz klargestellt. Es werde nicht erwartet, dass Anwender
von Pflanzenschutzmitteln Fachcodes verwenden, sagte Hansen bei einem
Treffen der Landwirtschaftsminister der EU-Staaten in Luxemburg. «Sie
können die gebräuchlichen Namen der Kulturpflanzen und
Wachstumsstadien verwenden, die sie kennen. Diese Bezeichnungen
erscheinen auch auf den Etiketten der Produkte, die die
Mitgliedstaaten zugelassen haben.»
Wer Pflanzenschutzmittel beruflich verwendet, muss seit Januar 2026
mehr Angaben dokumentieren. Bundeslandwirtschaftsminister Alois
Rainer (CSU) hatte das Thema auf die Tagesordnung gebracht.
Pflanzenschutz sei wichtig, aber dürfe nicht an bürokratischen Hürden
scheitern.
«Die neu eingeführten Aufzeichnungspflichten treffen
Sonderkulturbetriebe, Gemüsebau, den Gartenbau wie die Landwirtschaft
sehr hart und gehen meines Erachtens auch viel zu weit», sagte Rainer
am Rande des Treffens. Er forderte Bürokratieabbau. Mehrere Minister
anderer EU-Staaten unterstützten seine Forderung bei dem Treffen.
EU-Kommissar: Namen in Landessprache
Agrarkommissar Hansen sagte anschließend, dass die Zulassung der
Pflanzenschutzmittel teilweise mit Einschränkungen oder Auflagen
verbunden sei, die wiederum mit den Codes und Wachstumsstadien
verknüpft seien. Die Aufzeichnungen, welche Mittel für Pflanzen in
welchem Stadium verwendet wurden, seien auch für die Behörden
wichtig, die die Einhaltung dieser Auflagen überwachen.
Die Mitgliedstaaten seien verpflichtet, die gebräuchliche
Bezeichnungen für Kulturpflanzen und deren Wachstumsstadien in ihren
jeweiligen Landessprachen bereitzustellen, sagte Hansen. Die
Kommission sei offen für weitere Gespräche dazu, wie die
Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirte gestärkt werden
könne.
Regeln sollen vereinheitlichen
Die neuen Regeln sollen vereinheitlichen, wie Landwirte den Einsatz
von Pflanzenschutzmitteln dokumentieren. Das unterstützt auch die
Bundesregierung grundsätzlich, kritisiert aber den bürokratischen
Aufwand. Der Deutsche Bauernverband hatte den Vorstoß aus Berlin
begrüßt und auf eine Überarbeitung der Verordnung gehofft. Ziel müs
se
eine Dokumentation sein, die praktisch handhabbar sei und einen
echten Kontrollnutzen habe.
Die EU-Kommission will grundsätzlich den Einsatz chemischer
Pflanzenschutzmittel verringern. Manche dieser Mittel bekämpfen nicht
nur Schädlinge, die Nutzpflanzen beeinträchtigen, sondern auch
nützliche Bodenorganismen. Mehr als zwei Drittel der Böden in Europa
sind einer Ende Januar 2026 in der Fachzeitschrift «Nature»
veröffentlichten Studie zufolge mit Pflanzenschutzmitteln
verunreinigt. Die Mittel seien nicht nur für Vögel, Bienen und andere
Insekten eine Belastung, sondern auch für Böden, mahnte das Team um
den Bodenökologen Marcel van der Heijden von der Universität Zürich.
