Eurogruppen-Chef: Wegen Nahost droht größte Energiekrise

28.04.2026 09:38

Die Sperrung der Straße von Hormus bedroht nicht nur Europas
Energiepreise - auch Düngemittel und Chemieprodukte könnten knapp
werden. Nun gibt es eine starke Warnung.

Athen (dpa) - Wegen der Lage im Nahen Osten droht der Welt nach
Ansicht des Präsidenten der Eurogruppe, Kyriakos Pierrakakis, eine
historische Notlage. «Wenn die Straße von Hormus nicht rasch wieder
vollständig geöffnet wird, hat diese Krise das Potenzial, die größt
e
Energiekrise überhaupt zu werden», sagte Pierrakakis in Athen. Die
Ausfälle bei Öl und Gas könnten größer sein als in früheren Kri
sen
etwa in den 1970er Jahren oder nach Beginn des Ukraine-Kriegs.

Folgen für Wirtschaft und Verbraucher

Die Auswirkungen würden weit über den Energiesektor hinausgehen,
sagte Pierrakis bei einer Veranstaltung am Montagabend. Auch wichtige
Rohstoffe wie Düngemittel oder petrochemische Produkte könnten knapp
werden. Besonders betroffen sei Asien, doch auch in Europa seien die
Folgen bereits spürbar - vor allem durch steigende Energiepreise.

Die EU versuche gegenzusteuern, sagte Pierrakakis. Geplant seien
gezielte und befristete Hilfen für Bürger und Unternehmen. Wichtig
sei dabei, dass wirtschafts- und geldpolitische Maßnahmen gut
aufeinander abgestimmt werden.

Die aktuelle politische Lage spiele wieder eine deutlich größere
Rolle in der internationalen Wirtschafts- und Finanzpolitik. «Wir
erleben eine sehr starke Rückkehr der Geopolitik», sagte Pierrakakis.

Globalisierung neu bewertet

Früher habe seine Generation geglaubt, dass Globalisierung und neue
Technologien geografische Faktoren weniger wichtig machen würden.
«Wir lagen falsch», sagte er. Heute werde die Weltwirtschaft stärker

davon geprägt, wie sich Macht zwischen Regionen verschiebt, wie
schnell sich Technologien entwickeln und welche Rolle neue Akteure
neben Staaten spielen.