Von der Leyen: 27 Milliarden Euro extra für Energie-Importe
29.04.2026 10:46
Der Iran-Krieg hat die Energiepreise in die Höhe getrieben. Jeder Tag
kostet Europa Hunderte Millionen Euro extra, sagt die
EU-Kommissionspräsidentin. Was ihre Lösung ist.
Straßburg (dpa) - Der Iran-Krieg hat Importe fossiler Brennstoffe wie
Erdöl in die EU stark verteuert. «In gerade einmal 60 Tagen Konflikt
hat sich unsere Rechnung für die Einfuhr fossiler Brennstoffe um mehr
als 27 Milliarden Euro erhöht - ohne auch nur ein einziges
Extra-Molekül an Energie», sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von
der Leyen in Straßburg. Dort debattierten die Abgeordneten des
Europaparlaments, des Rats und der Kommission über die Auswirkungen
der Krise im Nahen Osten.
Europa müsse weniger abhängig von der Einfuhr fossiler Brennstoffe
werden, sagte von der Leyen. Stattdessen brauche es mehr heimische,
bezahlbare und saubere Energie. In Ländern wie Schweden, die fast den
gesamten Strom aus erneuerbaren Energien und Atomenergie bezögen,
seien die Energiepreise deutlich weniger gestiegen.
Staaten sollen selbst handeln
Um den Unterschieden gerecht zu werden, sollen die EU-Staaten selbst
entscheiden, welche Maßnahmen sie ergreifen. Die EU-Kommission hat
ihnen vergangene Woche Vorschläge gemacht - etwa Energiegutscheine
für Haushalte mit niedrigem Einkommen, finanzielle Förderungen für
Energiesparprodukte und Kampagnen zur Förderung der Energieeffizienz.
Die Maßnahmen sollten in jedem Fall nur den schwächsten Haushalten
und Branchen zugutekommen und einen Anstieg der Nachfrage nach Gas
und Öl verhindern, betonte von der Leyen nun. In der Energiekrise
nach Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine sei dagegen nur
ein Viertel der Soforthilfen an bedürftige Haushalte und Unternehmen
gegangen, mehr als 350 Milliarden Euro seien für Maßnahmen ausgegeben
worden, die nicht zielgerichtet waren. Das soll sich nicht
wiederholen.
Mehr Spielraum bei staatlichen Beihilfen erwartet
Die Kommission hatte zudem bereits angekündigt, dass die
Mitgliedstaaten vorübergehend mehr Spielraum bei staatlichen
Beihilfen bekommen sollen, um besonders von den hohen Energiepreisen
gefährdete Sektoren zu unterstützen. Dies solle noch vor dem
Monatsende beschlossen werden.
Die Staaten sollen sich außerdem besser koordinieren - beim Füllen
der nationalen Gasspeicher, aber auch den Kraftstoffreserven, vor
allem bei Flugkraftstoffen und Diesel. Die EU will überdies den
Umstieg auf Strom vorantreiben - im Verkehr, in der Industrie und
beim Heizen.
