Ölpreisschock treibt Inflation - wie reagiert die EZB?

29.04.2026 17:30

Der Iran-Krieg hat Energie massiv verteuert und die Inflation im
Euroraum nach oben getrieben. Höhere Zinsen könnten die Teuerung
dämpfen. Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

Frankfurt/Main (dpa) - Steigende Energiepreise infolge des
Iran-Krieges könnten die Inflation weiter anheizen und die
Europäische Zentralbank (EZB) zum Handeln zwingen. An diesem
Donnerstag wird der EZB-Rat nach überwiegender Einschätzung von
Analysten aber noch keine Zinserhöhung beschließen, sondern abwarten,
bis mehr Daten zu den Kriegsfolgen vorliegen. Der für Sparer und
Banken wichtige Einlagenzins dürfte bei 2,0 Prozent bleiben. Die
Entscheidungen der Notenbank werden am Nachmittag (14.15 Uhr)
bekanntgegeben. 

Im März lagen die Verbraucherpreise im Euroraum um 2,6 Prozent über
dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit war die Teuerung im
Währungsraum so stark wie seit Juli 2024 nicht. Die EZB strebt
mittelfristig eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an.

An den Finanzmärkten war zuletzt die Erwartung gestiegen, dass die
EZB im Jahresverlauf die Leitzinsen für den Euroraum erhöhen wird.
Höhere Inflationsraten schmälern die Kaufkraft der Menschen. Höhere
Zinsen würden Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und die
Inflation dämpfen kann. Zugleich besteht aber die Gefahr, dass
Zinserhöhungen die Wirtschaft im Euroraum belasten, die wegen des
Iran-Krieges ohnehin unter Druck steht.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte in mehreren Reden
Entschlossenheit gezeigt, bei Bedarf mit Zinserhöhungen zu reagieren.
Ein wichtiger Faktor sei die Dauer des Konflikts im Nahen Osten. Er
werde sich kurzfristig durch höhere Energiepreise «erheblich auf die
Inflation» auswirken, warnte sie zuletzt. Zugleich hat Lagarde
betont, die EZB sei bereit zu handeln, sobald ihr ausreichende
Informationen über Ausmaß und Dauer des Schocks vorlägen.