Nach US-Zinsentscheid Blicke auf EZB gerichtet
30.04.2026 05:00
Steigende Energiepreise als Folge des Iran-Kriegs blähen die
Inflation auf. Heute entscheidet die Europäische Zentralbank, wie sie
darauf reagiert.
Washington/Frankfurt (dpa) - Nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank
Federal Reserve (Fed) richtet sich der Blick heute auf die
Europäische Zentralbank. Steigende Energiepreise infolge des
Iran-Krieges könnten die Inflation weiter anheizen und damit die EZB
zum Handeln zwingen.
Der EZB-Rat wird in der heutigen Sitzung nach überwiegender
Einschätzung von Analysten noch keine Zinserhöhung beschließen.
Stattdessen dürfte die Notenbank abwarten, bis mehr Daten zu den
Kriegsfolgen vorliegen. Der für Sparer und Banken wichtige
Einlagenzins dürfte bei 2,0 Prozent bleiben. Die Entscheidungen
werden am Nachmittag (14.15 Uhr) bekanntgegeben.
An den Finanzmärkten war zuletzt die Erwartung gewachsen, dass die
EZB im Jahresverlauf die Leitzinsen für den Euroraum erhöhen wird.
Steigende Inflationsraten schmälern die Kaufkraft der Menschen.
Höhere Zinsen würden Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und
die Inflation dämpfen kann. Zugleich besteht aber die Gefahr, dass
Zinserhöhungen die Wirtschaft im Euroraum belasten, die wegen des
Iran-Krieges ohnehin unter Druck steht.
Fed hält derweil Leitzins stabil
Die Fed hatte sich am Mittwoch für die dritte Zinspause im laufenden
Jahr entschieden. Elf der zwölf Mitglieder des Zentralbankrates
stimmten für die Beibehaltung des Zinses bei 3,5 bis 3,75 Prozent.
Lediglich der Berater von US-Präsident Donald Trump, Stephen Miran,
votierte wie bei den vorherigen Sitzungen für eine Senkung.
Außergewöhnlich war, dass zudem drei Mitglieder sich gegen eine
künftige Zinslockerung sträuben. Dies dürfte auch als demonstratives
Zeichen gegen Trump gewertet werden, der seit Monaten auf
Zinssenkungen pocht.
Die dritte Zinspause in diesem Jahr rückte angesichts einer
Überraschung von Noch-Fed-Chef Jerome Powell in den Hintergrund:
Dieser will auch nach dem planmäßigen Ende seiner Amtszeit Mitte Mai
im Vorstand der US-Notenbank Federal Reserve bleiben.
Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden
und damit einen Kompromiss zwischen Teuerungsrate und möglichst
starker Vollbeschäftigung finden. Das Problem derzeit: Lockert die
Fed das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen -
das will sie vermeiden. Zuletzt erhöhte die Notenbank ihre
Erwartungen an die Teuerungsrate von 2,4 auf nun 2,7 Prozent im
laufenden Jahr. Sie liegt damit deutlich über ihrem eigenen
Zwei-Prozent-Ziel.
2025 hatte die Fed aus Sorge um den Arbeitsmarkt den Leitzins dreimal
um jeweils einen Schritt (25 Basispunkte) gesenkt. Bei ihren ersten
beiden Sitzungen dieses Jahres legte sie dann Pausen ein. Angesichts
der unsicheren Weltlage bei zeitgleich hoher Inflation rücken
Zinssenkungen in weite Ferne.
