Iran-Krieg treibt Inflationsrate im Euroraum auf 3,0 Prozent

30.04.2026 11:48

Die Kämpfe im Nahen Osten lassen die Preise in der Eurozone kräftig
steigen. Vor allem Energie verteuert sich rasant. Das setzt die
Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck.

Luxemburg (dpa) - Mit dem Ölpreisschock im Zuge des Iran-Krieges hat
die Inflation in der Eurozone im April kräftig zugelegt. Die
Verbraucherpreise stiegen im Jahresvergleich um 3,0 Prozent, wie das
Statistikamt Eurostat in Luxemburg nach einer ersten Schätzung
mitteilte. Als Inflationstreiber erweist sich Energie, die sich im
April um satte 10,9 Prozent verteuerte. Schon im März war die
Inflationsrate auf 2,6 Prozent geklettert.

Der Preisschub setzt die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck,
die mittelfristig eine Jahresteuerung von zwei Prozent anstrebt und
ihre Zinsentscheidung heute um 14.15 Uhr bekannt gibt.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat wiederholt betont, dass die
Zentralbank bereit sei zu handeln, wenn es die Lage erfordert.

Experten erwarten aber, dass die EZB den für Sparer und Banken
wichtigen Einlagenzins bei 2,0 Prozent zunächst belässt und weitere
Daten abwartet, um sich einen besseren Überblick über die
ökonomischen Folgen des Kriegs zu verschaffen.

Ohne die stark gestiegenen Energiepreise sei die Inflation im April
zwar gefallen, analysierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
«Aber die EZB sollte sich nicht in falsche Sicherheit wiegen.»
Umfragen zeigten, dass die Unternehmen die höheren Energiepreise
rasch an die Verbraucher weitergeben würden. «Die EZB wird nicht um
eine Zinserhöhung herumkommen, auch wenn sie sie wohl erst auf der
Sitzung im Juni beschließen dürfte.»