Frau von Erdogan-Rivale Imamoglu fordert Hilfe von der EU

30.04.2026 15:08

Erdogan-Rivale Ekrem Imamoglu sitzt seit mehr als einem Jahr im
Gefängnis. In einem umstrittenen Prozess könnte er zu mehr als 2.000
Jahren Haft verurteilt werden. In Bayern meldete er sich zu Wort.

Gmund am Tegernsee/Istanbul (dpa) - Die Frau des seit mehr als einem
Jahr inhaftierten türkischen Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu,
Dilek Imamoglu, fordert von der EU mehr Einsatz für ihren Mann. «Der
Fall von Ekrem Imamoglu muss von den europäischen Institutionen
verfolgt, beobachtet und thematisiert werden», sagte sie in einer
Videobotschaft für den Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group am
Tegernsee. Schweigen bedeute in diesem Fall, sich mitschuldig zu
machen. Aus Sicherheitsgründen hatte Dilek Imamoglu sich gegen eine
persönliche Teilnahme am Tegernsee entschieden.

Veranstaltung würdigt Imamoglus Kampf für die Freiheit

Zuvor waren Dilek und Ekrem Imamoglu auf der Veranstaltung von
Verlegerin Christiane Goetz-Weimer für ihren Mut und ihre Haltung als
«Freiheitskämpfer» geehrt worden. «Wir möchten Menschen ins
Rampenlicht rücken, die in ihrem Kampf für die Freiheit bis an ihre
Grenzen und manchmal sogar darüber hinausgehen», betonte die Frau von
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Das Verfahren gegen den früheren
Istanbuler Bürgermeister Imamoglu sei «Ausdruck einer breiteren
Kampagne gegen führende Vertreter der Opposition in der Türkei, deren
Ziel es ist, demokratische Handlungsspielräume zu begrenzen und
politische Alternativen zu schwächen». Auch sie mahnte, nicht
wegzusehen. 

«Spreche zu Ihnen aus meiner Zelle»

Ekrem Imamoglu bedankte sich schriftlich für die Würdigung und
Anteilnahme: «Ich bin heute nicht persönlich bei Ihnen. Ich spreche
zu Ihnen aus meiner Zelle in Silivri. Schon allein meine Stimme heute
zu erheben, ist ein Kampf. Denn sie wollen mich nicht nur einsperren,
sondern auch zum Schweigen bringen.» Er bezeichnete das Vorgehen
gegen seine Person als gezielte Kampagne, «um einen politischen
Gegner zum Schweigen zu bringen» und um Angst zu verbreiten. Zugleich
gab er sich hoffnungsvoll, dass die Freiheit auch in der Türkei
wieder die Oberhand gewinnen werde.

Imamoglu könnte zu mehr als 2.000 Jahren Haft verurteilt werden

Imamoglu war im März 2025 unter Terror- und Korruptionsvorwürfen
festgenommen und als Bürgermeister abgesetzt worden. Der staatlichen
Nachrichtenagentur Anadolu zufolge könnte er zu mehr als 2.000 Jahren
Haft verurteilt werden. Ihm werden unter anderem die Gründung und
Leitung einer kriminellen Vereinigung sowie Bestechung und Geldwäsche
vorgeworfen. Menschenrechtsorganisationen und Kritiker werten den
Prozess als politisch motiviert. Verhaftung und Absetzung lösten eine
landesweite Protestwelle aus.