EU startet riesige Freihandelszone mit Mercosur-Staaten Von Ansgar Haase, dpa
01.05.2026 00:15
Unternehmen in Deutschland und anderen EU-Staaten können ab sofort
die Vorteile eines neuen Freihandelsabkommens nutzen - noch vor dem
offiziellen Inkrafttreten.
Brüssel (dpa) - Die EU und die südamerikanischen Mercosur-Staaten
Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay bilden seit diesem
Freitag eine riesige neue Freihandelszone. Um Mitternacht trat ein
dafür ausgehandeltes Abkommen vorläufig in Kraft. Es soll durch den
schrittweisen Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen den Austausch von
Waren und Dienstleistungen ankurbeln. In Deutschland werden
langfristig etwa große Chancen für die Autoindustrie, den
Maschinenbau und die Pharmabranche gesehen.
«Mit dem Start des EU-Mercosur-Abkommens zum 1. Mai gewinnt der
Handel mit Südamerika für deutsche Unternehmen erheblich an Bedeutung
- obwohl er bislang nur rund ein Prozent des gesamten deutschen
Außenhandels ausmacht», kommentierte die Deutsche Industrie- und
Handelskammer (DIHK). Eine Umfrage zeige, dass 44 Prozent aller
international tätigen Unternehmen durch das Abkommen spürbare
Auswirkungen erwarteten. «Das ist ein starkes Signal», sagte
Außenwirtschaftschef Volker Treier.
Verhandlungen dauerten ein Vierteljahrhundert
Der Mercosur-Deal war zu Jahresbeginn nach mehr als 25 Jahren
Verhandlungen unterzeichnet worden. Nach Angaben der EU-Kommission
schafft er einen Markt mit etwa 720 Millionen Menschen und senkt
Zölle in Milliardenhöhe. Zudem gilt die Vereinbarung auch als
Kampfansage an die protektionistische Zollpolitik von US-Präsident
Donald Trump.
«Das Mercosur-Abkommen ist weit mehr als Handel: Es ist ein klares
Signal gegen Protektionismus. Gerade in geopolitisch angespannten
Zeiten zeigen die EU und die Mercosur-Staaten, dass eine faire und
regelbasierte Partnerschaft auf Augenhöhe möglich ist», erklärte de
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Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd
Lange (SPD). Er erwarte, dass die Vorteile schnell sichtbar werden
und bestehende Zweifel verschwinden.
Lange spielte damit darauf an, dass eine knappe Mehrheit der
Abgeordneten des Europäischen Parlaments im Januar beschlossen hatte,
den Vertragstext vor einer endgültigen Abstimmung vom Europäischen
Gerichtshof überprüfen zu lassen. Dies führt dazu, dass das Abkommen
vorerst nur vorläufig angewendet werden kann.
Agrar-Lobby ging auf die Barrikaden
Gegner des Abkommens kritisieren, es sei so angelegt, dass die
Freihandelsabsprachen von Mitgliedstaaten nicht nach dem
Einstimmigkeitsprinzip angenommen werden mussten. Zudem wird
befürchtet, dass EU-Standards bei Verbraucherschutz, Umwelt und
Tierwohl beeinträchtigt werden könnten - was die EU-Kommission
allerdings kategorisch zurückweist. Sie betont, dass weiter nur
Produkte, die den umfangreichen europäischen Vorschriften
entsprechen, in die EU eingeführt werden dürften.
Umfangreiches Sicherheitsnetz für Bauern
Um den anhaltenden Protesten von Bauern gegen die geplante
Freihandelszone den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatte die
EU-Kommission jüngst noch einmal zusätzliche wirtschaftliche
Sicherheitsklauseln ausgearbeitet.
Im Fall eines schädlichen Anstiegs der Einfuhren aus den
Mercosur-Staaten oder eines übermäßigen Preisverfalls für die
EU-Erzeuger sollen damit rasch Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt werden
können. Diese würden dazu führen, dass Zollvorteile vorübergehend
wieder ausgesetzt werden.
Eine besonders intensive Überwachung ist bei der Einfuhr von
Produkten wie Rindfleisch, Geflügel, Reis, Honig, Eier, Knoblauch,
Ethanol, Zitrusfrüchte und Zucker vorgesehen. Mindestens alle sechs
Monate soll es auch einen Bericht zu den Auswirkungen von Importen
aus den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay
geben.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte den Start der
Freihandelszone eine gute Nachricht für Unternehmen, Verbraucher und
Landwirte, die wertvolle neue Exportmöglichkeiten erhielten und
gleichzeitig in sensiblen Sektoren umfassend geschützt seien.
Werden auch Verbraucher Vorteile haben?
Durch die Liberalisierung des Handels könnten Preise für importierte
Produkte aus den Mercosur-Staaten sinken - zum Beispiel für Fleisch,
Obst, Soja, Kaffee und Zucker. Zum Schutz der EU-Landwirtschaft
sollen bei bestimmten Agrarprodukten die Märkte aber nicht
vollständig geöffnet werden. Die Zollerleichterungen werden dort nur
für eine bestimmte Liefermenge gelten.
Andersherum gilt, dass sich etwa der schrittweise Zollabbau für den
Export europäischer Autos in die Mercosur-Staaten wegen
Übergangsfristen bis zu 15 Jahre hinziehen wird - für Elektroautos
sogar über 18 Jahre.
